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Pilot | Portrait

Andreas Helwig

Das Feedback ehemaliger Patienten ist die schönste Form des Dankes.

Auf knapp 800 Meter über Meereshöhe liegt die  Station der DRF Luftrettung in Villingen-Schwennigen. Andreas Helwig sitzt auf einer kleinen Bank vor dem Hangar und blickt in die Ferne. „Hin und wieder nehme ich mir hier eine kleine Auszeit. Dort kann ich innehalten, Geschehnisse aus den Einsätzen verarbeiten und zum Horizont blicken. Der reicht bei guter Sicht bis zum Säntis in der Schweiz“, erzählt der Stationsleiter. Helwig gehört zu den Piloten, die das Fliegen bei der Bundeswehr gelernt haben. Nein, ein Kindheitswunsch sei die Fliegerei nicht gewesen. Eher eine nüchterne Überlegung. „Ein Jahr vor dem Abitur habe ich mir Gedanken über meinen künftigen Beruf gemacht, und da kam ich auf Pilot“, so der heute 57-Jährige, der mittlerweile 6000 Stunden in seinem persönlichen Flugbuch stehen hat. Zehn Jahre saß er für das Vaterland im Cockpit, um anschließend in die zivile Hubschrauberfliegerei zu wechseln. „Ich habe Forschungsreisen nach Island, Grönland und in die Antarktis begleitet, denn jemand musste die Schiffe ja durchs Eis navigieren und die Meeresbiologen zu den Robben- und Pinguinkolonien bringen“, erinnert er sich. Eine interessante und teils auch abenteuerliche Zeit sei das gewesen.

Das Abenteuer hat Helwig 1990 gegen die Rettungsfliegerei bei der DRF Lufrettung getauscht. Die ersten Jahre startete er von Hartenholm aus, einer 24-h-Station nördlich von Hamburg. 1998 wechselte er dann in den Süden der Republik nach Villingen-Schwennigen „Es ist erstaunlich, was sich in den vergangenen 25 Jahren in der Luftrettung entwickelt hat. Die modernen Hubschrauber von heute sind mit nichts mit denen von damals zu vergleichen. In Hartenholm hatten wir einen Long Ranger, das war ein einturbiniger Hubschrauber, mit dem wir Tag und Nacht auch zu Notfällen auf den Inseln und Halligen geflogen sind. Heute sind in der Luftrettung ausschließlich Hubschrauber mit zwei Turbinen gesetzlich vorgeschrieben“, weiß der erfahrene Pilot, der gemeinsam mit seinem Kollegen Karl Heitmüller ein Sicherheitsmanagementsystem (SMS) bei der DRF Luftrettung eingerichtet hat. „Wir haben bereits 2003 ein Flugsicherheitsteam gebildet mit dem Ziel, Vertrauenspersonen für Kollegen zu sein, die aus dem Einsatzgeschehen berichten möchten. In einem zweiten Schritt  haben wir eine Flugsicherheitsdatenbank eingerichtet und die Meldungen eingetragen, bei Bedarf auch anonymisiert. Schon nach kurzer Zeit haben die Kollegen das Meldesystem angenommen und erkannt, wie wichtig es ist, reaktiv von erlebten Vorkommnissen zu berichten sowie proaktiv vor möglichem Gefährdungspotenzial zu warnen. Das können Ideen zur Optimierung von Abläufen, Gefahrenhinweise zu bestimmten Landeplätzen sein oder auch Vorschläge zu einer anderen Anbringen von medizintechnischen Geräten im Hubschrauber. So wird allen Kollegen die Möglichkeit gegeben, von diesen Erfahrungen zu lernen“, berichtet der Sicherheitsmanager.

2010 hat die DRF Luftrettung das Sicherheitsmanagementsystem auf alle Arbeitsbereiche  ausgeweitet. Seither können alle Mitarbeiter der DRF Luftrettung sicherheitsrelevante Vorfälle in den Bereichen Flugbetrieb, Technik und Medizin melden. Helwig: „Ganz wichtig: Dieses Sicherheitssystem ist kein Kontrollinstrument! Fehler sind menschlich, sie können weder durch Strafe noch durch Schweigen vermieden werden. Nur eine offene und straffreie Auseinandersetzung kann bei der Vermeidung von Fehlern erfolgreich sein“, weiß der langjährige Mitarbeiter, der noch einmal zurück blickt. Denn seinen ersten Einsatz im Dienste der Luftrettung hat er bis heute nicht vergessen. „Wir wurden zu einem schweren Unfall auf der Autobahn mit zahlreichen Verletzten angefordert. Ich bin neben der Autobahn gelandet und die Böschung raufgelaufen. Oben angekommen fiel mein Blick auf ein abgerissenes Bein. Das war wie ein Schock. Andreas, ist es das, was du willst? Diese Frage habe ich mir nicht nur ein Mal gestellt.“ Nach 25 Jahren kann Helwig diese Frage ganz klar mit JA beantworten. Auch wenn die Crews bei ihren Einsätzen teils schreckliche Situationen erleben, gibt es noch eine die andere Seite. Andreas Helwig erinnert er sich an einen Einsatz, bei dem ein Angehöriger eines Schwerverletzten zum Hubschrauber gerannt kam und dort tot zusammengebrochen ist. Da Notarzt und Rettungsassistent bereits beim Verletzten waren, blieb nur Pilot Helwig, um den Mann zu reanimieren. „Einige Zeit später wurden wir zu seinem 65. Geburtstag eingeladen. Zu sehen, dass ehemalige Patienten leben und es ihnen gut geht, ist für uns Luftretter die schönste Form des Dankes.“

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