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Pilot | Interview

Burkhard Piper

Rettungsfliegerei ist etwas ganz Großes!

Mit seinen mehr als 26.000 Kilometern an Flüssen und Kanälen, mit über 2.000 Seen und rund 2.000 Kilometern Küstenlänge ist Mecklenburg-Vorpommern das wasserreichste Bundesland Deutschlands. Zugleich ist die Region im Nordosten der Bundesrepublik sehr dünn besiedelt. Im Interview erklärt Burkhard Piper, Hubschrauberpilot an der Greifswalder Station der DRF Luftrettung, welche Auswirkungen diese Faktoren auf die Luftrettung haben.

Mecklenburg-Vorpommern ist das am dünnsten besiedelte Bundesland in Deutschland. Was bedeutet dies für die dortige Notfallrettung?

Burkhard Piper: Wir haben in Mecklenburg-Vorpommern eine gesetzliche Hilfsfrist von zehn Minuten, innerhalb derer ein Rettungsmittel am Einsatzort eintreffen soll. Die Einhaltung dieser Zeitvorgabe ist aufgrund der dünnen Besiedlung häufig nur mit Hilfe des Rettungshubschraubers möglich.

Welche Erklärung haben Sie dafür?

Burkhard Piper: Bodden, Buchten und Halbinseln bedeuten für die bodengebundenen Rettungskräfte häufig große Umwege. In dieser Zeit können sie keine weiteren Einsätze annehmen. Daher werden wir auch für den schnellen Transport von schwer verletzten oder erkrankten Menschen alarmiert. Dazu kommt die Spezialisierung der Kliniken, durch die immer weitere Strecken zurückgelegt werden müssen, um Patienten in ein geeignetes Krankenhaus zu transportieren.

Das heißt, der Hubschrauber wird vor allem für den schnellen Transport von Patienten alarmiert?

Burkard Piper: Die Leitstellen fordern uns immer dann an, wenn eine verletzte oder erkrankte Person notärztliche Hilfe benötigt und wir den Notfallort am schnellsten erreichen können. Im vergangenen Jahr haben wir rund 1.200 Einsätze geleistet. Das entspricht durchschnittlich etwa vier Einsätzen pro Tag. Im Sommer kann es vorkommen, dass wir doppelt so oft alarmiert werden. Zum einen, weil wir von 7:00 Uhr bis Sonnenuntergang im Einsatz sind, d. h. unsere Arbeitstage sind in der warmen Jahreszeit sehr lang. Zum anderen, weil viele Menschen ihre Sommerferien hier verbringen. Dann werden wir häufiger zu Wasserrettungseinsätzen alarmiert, weil beispielsweise Urlauber die Strömung unterschätzt haben und mit ihren Wassersportgeräten abgetrieben wurden.

Welche Besonderheiten bringen solche Wasserrettungseinsätze mit sich?

Burkhard Piper: Wir nehmen zunächst einen Rettungsschwimmer der Berufsfeuerwehr an Bord. Sobald wir die vermisste Person im Wasser gefunden haben, geben wir die Koordinaten an die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) weiter. Diese schickt einen Seenotkreuzer bzw. ein Seenotrettungsboot zur Einsatzstelle. Zugleich halte ich den Hubschrauber in geringer Höhe über der Wasseroberfläche, damit der Rettungsschwimmer eine Rettungsinsel abwerfen und selbst ins Wasser springen kann. Anschließend bringt er die Person in der Insel in Sicherheit.

Das klingt, als würde viel Zeit vergehen, bis ein Patient anschließend medizinisch versorgt werden kann.

Burkhard Piper: Überhaupt nicht. Wir können mit unserem Hubschrauber beispielsweise auf einem Seenotkreuzer landen und dort unseren Notarzt absetzen. So wird der Patient optimal versorgt, sobald er an Bord des Schiffes ist.

Werden dabei besondere Anforderungen an die Besatzung gestellt?

Burkhard Piper: Jeder Einsatz erfordert die volle Aufmerksamkeit aller Besatzungsmitglieder. Im Cockpit arbeiten Pilot und der zum HEMS Crew Member (HCM) ausgebildete Rettungsassistent eng zusammen, er ist sozusagen mein „linkes Auge“. Bei der Landung auf dem Seenotkreuzer gibt es vieles zu beachten, beispielsweise die Querbewegung des Boots. Daher fliegen wir es immer schräg von hinten an. Der HCM gibt mir permanent Informationen über unsere Höhe und die Entfernung zur Landeplattform. Damit es im Ernstfall reibungslos läuft, üben wir dieses Verfahren seit über zehn Jahren.

Und seit über 20 Jahren sind Sie Hubschrauberpilot bei der DRF Luftrettung. Was hat sich in dieser Zeit getan?

Burkhard Piper: Es ging schon immer darum, Menschen schnell medizinische Hilfe zu bringen. Aber natürlich hat sich die DRF Luftrettung weiterentwickelt. Unsere Greifswalder BK 117 bietet mehr Platz für die Versorgung des Patienten und ist zugleich leiser und leistungsfähiger als die BO 105, mit der wir früher unterwegs waren. Das Cockpit ist mit moderneren Instrumenten und Navigationsgeräten ausgestattet, die uns Piloten beim Flug sowie beim Auffinden von Einsatzorten unterstützen. Im September 2012 war die Station Greifswald die erste der DRF Luftrettung, die mit Digitalfunk ausgestattet wurde. Es gibt regelmäßig spezielle Fortbildungen, z. B. Crew-Resource-Management-Trainings (CRM), bei dem wir die Zusammenarbeit und Kommunikation im Cockpit praxisnah trainieren und laufend optimieren. Dadurch nehmen wir uns noch stärker als Team wahr und erhöhen letztlich die Patientensicherheit während des Flugs. Für mich persönlich ist es auch eine besondere Freude, dass wir starken Rückhalt in der Bevölkerung genießen. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle bedanken.

War es schon immer Ihr Wunsch, Pilot eines Rettungshubschraubers zu werden?

Burkhard Piper: Ja, tatsächlich. Ich bin unter einer Flugtrasse aufgewachsen und war schon damals fasziniert vom Fliegen. Als kleiner Junge habe ich meiner Großmutter bereits versprochen, sie mit dem Hubschrauber zu retten, sollte es ihr einmal schlecht gehen. Beim Militär habe ich dann eine solide Pilotenausbildung absolviert. Mein Beruf gibt mir die einmalige Möglichkeit, mein erworbenes Können und Wissen sowie meine langjährige Erfahrung sinnvoll einzusetzen. Wenn wir zu einem Einsatz alarmiert werden, erfordert dies die 100-prozentige Konzentration aller Besatzungsmitglieder. Innerhalb kürzester Zeit müssen wir die Strecke planen und am Einsatzort einen Platz ausfindig machen, wo wir sicher landen können. Auch als Pilot behalte ich dabei immer im Hinterkopf, dass wir einer Person in Not schnelle, vielleicht sogar lebensrettende Hilfe bringen. Das ist etwas Großes.

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