Sie sind hier

Notarzt | Interview

Dr. Christian Afflerbach

Unsere Expertise ist, die für einen Lufttransport notwendigen Strukturen zur Verfügung zu stellen.

Intensivstation im Hubschrauber

Wir sprachen mit Dr. Christian Afflerbach, Oberarzt der Anästhesie in der Bergmannsheil- und Kinderklinik Buer in Gelsenkirchen und Leitender Arzt der Dortmunder Station der DRF Luftrettung. Der Intensivtransporthubschrauber Christoph Dortmund ist einer der wenigen in Deutschland, mit dem ECMO- und IABP-Transporte durchgeführt werden.

Unsere Frage: Welche Voraussetzungen muss ein Hubschrauber für Transporte mit intensivmedizinischer Technik wie Extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO/Herz-Lungen-Maschine) oder einer Intraaortalen Ballonpumpe (IABP) erfüllen?

Herr Afflerbach: In erster Linie muss das Platzangebot im Hubschrauber vorhanden sein. Hierfür bauen wir im akuten Fall eine Sitzbank aus und verzichten auf den Teil unserer medizinischen Ausrüstung, den wir beim Transport nicht benötigen. So gewinnen wir Kapazitäten, um zum Beispiel Spritzenpumpen zur intravenösen Verabreichung von Medikamenten in doppelter Ausführung mitzunehmen. Darüber hinaus müssen im Hubschrauber Halterungen vorhanden sein, um die Herz-Lungen-Maschine, die Intraaortale Ballonpumpe oder den 230-Volt-Inverter (einem Spannungswandler, der eine immerwährende Stromversorgung gewährleistet) zu fixieren.

Unsere Frage: So weit die Technik. Doch welche Qualifikation müssen Besatzungsmitglieder sowie begleitende Ärzte und Kardiotechniker für diese speziellen Transporte mitbringen?

Herr Afflerbach: Neben ihrer regulären Ausbildung haben die Notärzte und Rettungsassistenten der DRF Luftrettung spezielle Schulungen für den ECMO-Transport absolviert. Kardiotechniker und Fachärzte eines Klinikums, die regelmäßig Einsätze fliegen, werden in die Sicherheitstechnik und in die Geräte eingewiesen. Sie üben gemeinsam mit den Hubschrauberbesatzungen den Ablauf eines solchen Intensivtransports.

Unsere Frage: Kardiotechniker – was versteht man darunter?

Herr Afflerbach: Er ist sozusagen der "Maschinist" der Herz-Lungen-Maschine. Während des Transports überwacht er sämtliche technische Funktionen wie beispielweise das komplexe Schlauchsystem, die Blutpumpe oder den Oxygenator (künstliche Lunge). Früher war eine Herz-Lungen-Maschine so groß wie ein kleines Zimmer, heute handelt es sich um handliche Hightech-Geräte mit hochsensibler Technik, für die man speziell geschult sein muss.

Unsere Frage: Eine spezielle Schulung, ist das wirklich notwendig? Warum sind diese ECMO-Transporte so kompliziert?

Herr Afflerbach: Bei einem ECMO-Transport handelt es sich immer um einen überlebenswichtigen Transport. Der Patient ist dabei vollständig von den Maschinen und der Kompetenz der begleitenden Besatzung abhängig. Unsere Expertise ist, die für einen Lufttransport notwendigen Strukturen zur Verfügung zu stellen. Um ECMO-Transporte durchführen zu können, sind eine minutiöse Vorplanung und eine reibungslos funktionierende Teamarbeit Voraussetzung.

Unsere Frage: Und welche Maßnahmen sind für einen sicheren Transport notwendig?

Herr Afflerbach: In Dortmund arbeiten wir zum Beispiel eng mit dem Klinikum Bergmannsheil in Bochum zusammen. Bevor der erste Einsatz mit einer Herz-Lungen-Maschine geflogen werden konnte, haben wir den Weg vom Krankenhaus zum Hubschrauber simuliert. Wer geht voran, wer trägt welches Gerät, wer muss wo im Fahrstuhl stehen, welcher Überwachungsmonitor und welcher Stecker muss an welcher Stelle der Trage befestigt werden und, und, und. Zusätzlich haben unsere Notärzte und Rettungsassistenten, wie auch das begleitende Klinikpersonal Schulungen mit Technikern der Gerätehersteller der Herz-Lungen-Maschine absolviert. Diese Sicherheitsstrukturen zu schaffen, wozu auch das gegenseitige Kennenlernen der Teams gehört, dauerte ein gutes Jahr.

Unsere Frage: Und wie läuft so ein ECMO-Transport ab?

Herr Afflerbach: Werden wir für einen ECMO-Transport von der Leitstelle alarmiert, benötigen wir mindestens eine halbe Stunde Vorlaufzeit, um den Hubschrauber auszurüsten. Startbereit sind wir dann nach insgesamt einer Stunde. Ein Team der Klinik, in welche die betreffende Person verlegt werden soll, macht sich auf den Weg zum Patienten. Er wird an die transportable Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, das heißt, die Kanülen werden gesetzt und die medizinischen Parameter, zum Beispiel die Sauerstoffsättigung, werden angepasst. Gleichzeitig fliegen wir zur abgebenden Klinik, um den Patienten, den Kardiotechniker und den Fachmediziner abzuholen.

Unsere Frage: Muss vor dem Abflug noch mehr beachtet werden?

Herr Afflerbach: Allerdings. Wir haben eine detaillierte Checkliste, die wir in rund 10 Minuten durchgehen, von der Sitzplatzwahl über den Funktionscheck aller Geräte bis hin zur lebensnotwendigen Energieversorgung. Alle Stationen der DRF Luftrettung, die auf ECMO- und IABP-Transporte spezialisiert sind wie beispielsweise Regensburg, Freiburg, München, Stuttgart und Nürnberg, arbeiten genauso. An der Uniklinik in Regensburg wurde übrigens die erste Mini-Herz-Lungen-Maschine mit Transportzulassung entwickelt. Sie ist nur 27 Kilogramm schwer und kann von einer Person getragen werden. Erstmals wurde sie im März 2006 eingesetzt, seitdem hat die transportable Herz-Lungen-Maschine vielen Menschen das Leben gerettet.

Helfen Sie jetzt. Und damit auch der Station Dortmund

Egal ob großer oder kleiner Betrag: Mit jeder Spende helfen Sie uns die Betreuung unserer Patienten zu verbessern.

Freie Eingabe durch Klick ins Zahlenfeld.

Die Station zum Beitrag:

Standorte DRF Luftrettung

Auswählen und mehr erfahren

Von wo starten unsere Hubschrauber und Ambulanzflugzeuge zu ihren Einsätzen? Wer koordiniert eine Patientenrückholung aus dem Ausland? Und wo wird unsere Flotte eigentlich gewartet? Lernen Sie die Hubschrauberstationen, das Operation-Center und den Ambulanzflugbetrieb der DRF Luftrettung kennen. Mit einem Klick auf eine unserer Stationen können Sie den jeweiligen Einsatzradius des Hubschraubers erkennen. Weitere Einblicke und Hintergrund- informationen erhalten Sie auf den Stationsseiten.

Minuten- und Kilometerzahl sind durchschnittliche Angaben

Alle Standorte