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Notarzt | Interview

Dr. Michael Möller

Jeder Handgriff muss sitzen, denn davon kann das Leben eines Menschen abhängen.

Gebündelte Kompetenz

Dr. Michael Möller ist leitender Arzt der Hannoveraner Station der DRF Luftrettung und Anästhesist an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Im Interview erklärt er, was die Luftretter an Bord von Christoph Niedersachsen leisten und wie sie dabei mit der MHH zusammenarbeiten.

An Bord von Christoph Niedersachsen werden regelmäßig Inkubatortransporte von Neugeborenen durchgeführt. Welche Funktionen hat ein Inkubator?

Dr. Michael Möller: Ein Inkubator ist ein Brutkasten, in dem u. a. Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Sauerstoffgehalt reguliert werden können. Darüber hinaus gibt es Intensivpflege-Inkubatoren, die über Spritzenpumpen, Monitoring-Systeme und ein Beatmungsgerät verfügen. Die intensivmedizinische Technik für Säuglinge ist sehr aufwendig. Babys benötigen beispielsweise ein spezielles Beatmungsgerät, da ihr Lungenvolumen nur 10 bis 20 Milliliter beträgt. Das entspricht dem Inhalt einer kleinen Spritze. Säuglinge reagieren sehr sensibel auf veränderte Gegebenheiten, z. B. beim Austausch der medizintechnischen Geräte bei der Übernahme. Deshalb sind Inkubatortransporte immer eine besondere Herausforderung für die Besatzung.

Wie läuft ein Inkubatortransport ab?

Dr. Michael Möller: Zunächst einmal fragt die Zentrale Koordinierungsstelle für Intensivtransporte in Niedersachsen (KoSt) an, ob der Hubschrauber verfügbar ist. Zeitgleich wird ein pädiatrisches Team, d. h. ein Kinderarzt und ein Mitglied des Pflegeteams, alarmiert. Bevor wir starten, nehmen wir die Trage aus dem Hubschrauber heraus und bauen einen 230 Volt-Inverter ein, der den Inkubator mit Strom versorgt. An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) werden das pädiatrische Team und der Transportinkubator an Bord genommen. Dann geht es zu dem kleinen Patienten.

Was müssen Sie bei der Übernahme beachten?

Dr. Michael Möller: Babys kühlen schneller aus als Erwachsene. Daher muss ein besonderer Fokus auf den Wärmeerhalt gelegt werden. Wird der Säugling an die Spritzenpumpen des Inkubators angeschlossen, muss die Dosis der Medikamente genau kontrolliert werden. Geringe Schwankungen in der Verabreichungsmenge können bei Säuglingen schwerwiegende Folgen haben. Aus diesem Grund ist die enge Zusammenarbeit mit den Ärzten vor Ort sehr wichtig. Manchmal kommt es auch vor, dass ein Säugling noch nicht oder nicht hinreichend versorgt wurde. Dann müssen beispielsweise noch arterielle und zentralvenöse Zugänge gelegt werden oder das Baby muss an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden.

Können Sie erklären, warum Inkubatortransporte so wichtig sind?

Dr. Michael Möller: Kindernotfälle sind in vielen Kliniken so selten, dass Ärzte häufig wenig Erfahrung darin haben. Hinzu kommt, dass nicht jede Kinderklinik über eine Abteilung für pädiatrische Intensivmedizin verfügt. Um die optimale Versorgung von Kindern zu gewährleisten, wurde das Pädiatrische Intensivnetzwerk (PIN) gegründet. Das ist ein Verbund von mehr als 30 Kinderkliniken in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Die MHH ist Zentrum des PIN und innerhalb des Verbundes eine von vier Kliniken mit einer pädiatrischen Intensivstation. Muss ein schwer krankes Baby im Raum Niedersachsen so schnell und schonend wie möglich in eine Kinder-Spezialklinik transportiert werden, ist der Hannoveraner Hubschrauber der DRF Luftrettung das Transportmittel erster Wahl. Wir werden zwei bis drei Mal im Monat für Inkubatortransporte angefordert.

Wird dabei ein besonderer Brutkasten verwendet?

Dr. Michael Möller: Der Transportinkubator wurde speziell für den Einsatz an Bord von Christoph Niedersachsen angepasst. Die medizintechnischen Geräte sind so platzsparend daran angebracht, dass er ohne weiteres in den Hubschrauber passt. Zudem ist der Inkubator fest auf einer sogenannten Roll-In-Trage installiert, deren Fahrgestell automatisch nach oben klappt, wenn sie in die Kabine des Hubschraubers geschoben wird, und sich fest mit dem Boden verankert. Das spart Zeit und ist schonender für den kleinen Patienten.

Der Inkubator wurde also für den Einsatz im Hubschrauber optimiert.

Dr. Michael Möller: Ja, wir optimieren fortlaufend. Der verbesserte Inkubator ist eines von zahlreichen gemeinsamen Projekten der MHH und der DRF Luftrettung.

Das heißt, Sie kooperieren regelmäßig mit der MHH?

Dr. Michael Möller: Wir arbeiten schon seit vielen Jahren eng zusammen und haben im Jahr 2009 einen Kooperationsvertrag geschlossen. In ihm ist festgelegt, dass die Abteilung Anästhesie und Intensivmedizin der MHH u. a. für die Gestellung von ärztlichem Personal und für administrative Aufgaben der Luftrettungsstation mitverantwortlich ist. Daraus ergeben sich Vorteile für beide Seiten.

Können Sie Beispiele dafür nennen?

Dr. Michael Möller: Bei der Erstellung des Dienstplans erleben wir große Erleichterungen. Fällt ein Notarzt wegen Krankheit aus, stellt die MHH umgehend einen Kollegen zur Verfügung. Natürlich handelt es sich dabei stets um erfahrene Notfall- und Intensivmediziner. Ein weiteres Beispiel ist, dass sich Weiterbildungen durch die Kooperation wesentlich leichter organisieren lassen. Die DRF Luftrettung schreibt beispielsweise regelmäßige Simulatorteamtrainings für ihre medizinischen Besatzungen vor. Dabei werden Notfallsituationen realitätsnah nachgestellt und die Patientenversorgung wird an sogenannten Simulationspuppen geübt. Die medizinischen Crews der DRF Luftrettung und Mitarbeiter der MHH nehmen regelmäßig gemeinsam an solchen Trainings teil. Dadurch möchten wir Patienten eine noch bessere Versorgung ermöglichen. Als Intensivtransporthubschrauber wird Christoph Niedersachsen überwiegend für lebenswichtige Transporte von schwer kranken Menschen zwischen Kliniken angefordert.

Sie tragen täglich viel Verantwortung ...

Dr. Michael Möller: Das ist mein Anspruch an mich als Hubschrauberarzt. Der gesundheitliche Zustand jedes Patienten muss vor dem Flug individuell eingeschätzt werden. Das setzt viel Erfahrung und das richtige Gespür für die Situation voraus.

Gibt es Einsätze, die Sie als eine besondere Herausforderung bei der Patientenversorgung ansehen?

Dr. Michael Möller: Dies sind neben Inkubatortransporten auch ECMO-Transporte (Extrakorporale Membranoxygenierung). Dabei ist der Patient an eine mobile Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. Die Besatzung der DRF Luftrettung sowie das begleitende ECMO-Team wissen: Jeder Handgriff muss sitzen, denn davon kann das Leben eines Menschen abhängen.

 

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