Sie sind hier

Notarzt | Interview

Dr. Rainer Kosiol

Ist der Einsatzort abgelegen oder schwer zugänglich, ist der Hubschrauber häufig der schnellste Notarztzubringer. Außerdem bietet er sich als ideales Transportmittel an, wenn ein Patient schnellstmöglich die für seine Behandlung am besten geeignete Klinik erreichen muss.

Zeit ist Leben

Um Patienten in die zur Behandlung am besten geeignete Klinik zu transportieren, müssen häufig immer weitere Wege zurückgelegt werden. Warum dies so wichtig ist und Patienten nach einem Unfall oder einer plötzlichen Erkrankung schnellstmöglich versorgt werden müssen, darüber haben wir mit Dr. Rainer Kosiol gesprochen, Hubschraubernotarzt der DRF Luftrettung und Oberarzt der Anästhesiologie.

Unsere Frage: Wenn die DRF Luftrettung zu einem Einsatz alarmiert wird, muss es meist schnell gehen. Auf welche Faktoren kommt es an, um eine optimale medizinische Versorgung des Patienten zu gewährleisten?

Dr. Rainer Kosiol: Zum einen ist die routinierte und professionelle Zusammenarbeit aller Rettungskräfte wichtig. Zum anderen spielen natürlich auch die langjährige Erfahrung der Hubschrauberbesatzung sowie die hochwertige medizintechnische Ausrüstung, die wir an Bord unserer Hubschrauber mitführen, eine entscheidende Rolle. Dank mobiler Medizintechnik sind wir ausgestattet wie eine Intensivstation. 

Unsere Frage: Warum ist Zeit so ein wichtiger Faktor?

Dr. Rainer Kosiol: Nach einen Polytrauma beispielsweise kann der Körper eines zuvor gesunden Menschen entstandene Verletzungen eine gewisse Zeit lang kompensieren, sofern keine starken Blutungen vorliegen. Damit die Wahrscheinlichkeit einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes möglichst gering bleibt, ist es erklärtes Ziel, dass der Patient spätestens eine Stunde nach dem Unfallhergang in einer für ihn geeigneten Klinik eintrifft. Wir  Notfallmediziner sagen dazu „Golden Hour of Shock“.

Unsere Frage: Kann diese Frist problemlos eingehalten werden?

Dr. Rainer Kosiol: Das kommt ganz auf die jeweilige Situation an. Häufig nimmt schon allein die technische Rettung, wenn beispielsweise Personen aus ihren Fahrzeugen herausgeschnitten werden müssen, viel Zeit in Anspruch. Ist der Einsatzort abgelegen oder schwer zugänglich, ist der Hubschrauber häufig der schnellste Notarztzubringer. Außerdem bietet er sich als ideales Transportmittel an, wenn ein Patient schnellstmöglich die für seine Behandlung am besten geeignete Klinik erreichen muss. Gerade bei Personen, die nach einem Unfall dringend operiert werden müssen, weil sie z. B. innere Blutungen erlitten haben, spielt die Einhaltung der „Golden Hour of Shock“ eine wichtige Rolle. Auch bei internistischen Erkrankungen, z. B. nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall, müssen die betroffenen Personen so schnell wie möglich in einer Spezialklinik behandelt werden.

Unsere Frage: Demnach ist das Einhalten der „Golden Hour of Shock“ in strukturschwachen Gebieten eine Herausforderung. Wie gelingt dies trotzdem?

Dr. Rainer Kosiol: Da in ländlichen Regionen meist größere Distanzen zu überbrücken sind, kommt dort häufig der Rettungshubschrauber zum Einsatz. Außerdem stehen im Unterschied zu Ballungszentren in aller Regel weniger Rettungswagen zur Verfügung, die bei zeitintensiven Transporten über die Straße unnötig gebunden werden.  

Unsere Frage: Wer entscheidet über die Wahl der Zielklinik?

Dr. Rainer Kosiol: Je nach Art und Schwere der Verletzung bzw. Erkrankung wählt der Notarzt in Zusammenarbeit mit der zuständigen Rettungsleitstelle eine geeignete Klinik aus. Es gibt Patienten, die in Kliniken der Grund- und Regelversorgung behandelt werden können. Andere müssen in Zentren der Maximalversorgung gebracht werden, beispielsweise bei schweren Kopf-, Brand- oder Rückenverletzungen.

Unsere Frage: Zentrum der Maximalversorgung – was versteht man darunter?

Dr. Rainer Kosiol: Universitätskliniken sind zum Beispiel Häuser der Maximalversorgung. Dort erhalten Patienten die bestmögliche Therapie speziell für ihre Erkrankung bzw. Verletzungen, denn dort gibt es Fachkliniken wie neurochirurgische oder kardiologische Abteilungen. Die Fachärzte und das Klinikpersonal sind entsprechend geschult und können die hochdifferenzierten medizintechnischen Einrichtungen, beispielsweise Hochleistungs-Computertomografen, bedienen.

Unsere Frage: Sind derartige Kliniken die Regel oder eher die Ausnahme?

Dr. Rainer Kosiol: Es gibt in Deutschland 36 Universitätskliniken und in vielen Großstädten Krankenhäuser, die sowohl medizinisch, technisch als auch personell als Maximalversorger zu sehen sind. Daneben gibt es Häuser der Spezialversorgung, z. B. Traumazentren, die auf die Behandlung von schwerverletzten und polytraumatisierten Patienten spezialisiert sind. Meist liegen diese Häuser in Ballungszentren. Durch die zunehmende Spezialisierung der Kliniken werden die Wege, die nötig sind, um Patienten die optimale Behandlung zu ermöglichen, in strukturschwachen Gebieten immer weiter. Deshalb ist der Einsatz des Hubschraubers hier besonders wichtig.

Unsere Frage: Viel Verantwortung zu tragen und täglich neue Herausforderungen zu meistern sind also Ihr täglich Brot ...

Dr. Rainer Kosiol: Das ist richtig. Wir wissen nie genau, was uns erwartet: Hat ein Mensch nur eine vorübergehende Kreislaufschwäche erlitten? Oder sind es lebensbedrohliche Verletzungen, die schnelles und präzises Handeln von uns erfordern? Als gut eingespieltes Team nehmen wir jede Herausforderung gerne an, und es erfüllt mich mit Zufriedenheit, wenn wir Menschen helfen können.

Helfen Sie jetzt. Und damit auch der Station Dortmund

Egal ob großer oder kleiner Betrag: Mit jeder Spende helfen Sie uns die Betreuung unserer Patienten zu verbessern.

Freie Eingabe durch Klick ins Zahlenfeld.

Die Station zum Beitrag:

Standorte DRF Luftrettung

Auswählen und mehr erfahren

Von wo starten unsere Hubschrauber und Ambulanzflugzeuge zu ihren Einsätzen? Wer koordiniert eine Patientenrückholung aus dem Ausland? Und wo wird unsere Flotte eigentlich gewartet? Lernen Sie die Hubschrauberstationen, das Operation-Center und den Ambulanzflugbetrieb der DRF Luftrettung kennen. Mit einem Klick auf eine unserer Stationen können Sie den jeweiligen Einsatzradius des Hubschraubers erkennen. Weitere Einblicke und Hintergrund- informationen erhalten Sie auf den Stationsseiten.

Minuten- und Kilometerzahl sind durchschnittliche Angaben

Alle Standorte