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Pilot | Portrait

Felix Freitag

Man tut, was man liebt, und kann damit noch Menschen helfen.

Was will ich später werden? Für Felix Freitag stellt sich diese Frage schon seit frühester Kindheit nicht mehr. Die Wände des Kinderzimmers voller Fliegerposter waren eindeutig: Ein Leben als Pilot sollte es werden – und zwar um jeden Preis. In Zahlen: rund 175.000 Euro. Denn entgegen der meisten Piloten, die ihre Karriere bei der Bundeswehr beginnen und die Ausbildung bezahlt bekommen, ging Felix Freitag einen anderen Weg.

Dabei will er zunächst zur Bundeswehr. Um seine Chancen zu verbessern, macht er das Abitur und geht während der Schulzeit ein Jahr an eine High School in den USA. Denn als Pilot benötigt man sehr gute Englischkenntnisse. Als er sich schließlich bei der Bundeswehr vorstellt, ist sein Ziel der Düsenjäger. „Doch dafür wollten sie mich nicht, und ich wollte nichts anderes. Daher klappte es leider nicht.“

Kurz darauf stirbt sein Vater, ein Hobbypilot, in dessen kleinem Sportflugzeug Felix Freitag erstmals in die Lüfte gestiegen war. „Die Bundeswehr war nach seinem Tod kein Thema mehr, für mich begann eine kurze haltlose Zeit.“ Als Notlösung schreibt er sich für ein Studium der Luft- und Raumfahrttechnik ein. Dann macht seine Mutter einen Vorschlag, dem er zunächst mit Skepsis begegnet: eine Karriere als Hubschrauberpilot. „Wer will schon Hubschrauber fliegen?“, antwortet er damals. „Doch ich kam ins Grübeln und entschied mich für einen Schnupperkurs, der mich begeisterte.“ Trotz der enormen finanziellen Hürden entschließt er sich, in seine Zukunft zu investieren. „Heute weiß ich, es war die richtige Entscheidung.“

„Warum fliege ich für ein Stück Rohr?“

Felix Freitag macht seinen Flugschein, wird Fluglehrer und arbeitet freiberuflich als Pilot für Fracht-, Personen- und Rundflüge. Bei einem Unternehmen in Bonn erhält er wenige Jahre später die Chance auf eine Festanstellung, die er ergreift. Doch immer mehr wächst in ihm die Frage nach der Bedeutung seiner Tätigkeit. „Anfangs ging es hauptsächlich ums Fliegen, das war mein großer Traum. Doch an einem stürmischen Tag dachte ich plötzlich: Warum fliege ich für ein Stück Rohr in der Erde?“

Viele seiner befreundeten Piloten arbeiten zu dieser Zeit bereits bei der DRF Luftrettung. Immer wieder spricht er mit ihnen darüber. „Sie haben die Organisation geradezu angepriesen und mir zu einem Wechsel geraten, wenn sich die Möglichkeit dazu ergeben sollte.“

Individuelle Pilotenausbildung

Inzwischen hat Felix Freitag seine Chance genutzt, ab 1. Juni 2016 wird er Pilot des in Suhl stationierten Rettungshubschraubers Christoph 60 sein. Bereits seit April durchläuft er die dafür notwendigen Schulungen und Praxistage – ein Prozedere, das jedem neuen Piloten der DRF Luftrettung bevorsteht, auch wenn er schon vorher in der Luftrettung tätig war. „Natürlich stellen wir uns auf jeden Piloten individuell ein“, erklärt Rüdiger Bosch, Leiter Schulung der Besatzungen am Operation-Center der DRF Luftrettung. „So hat zum Beispiel beim sogenannten Type Rating, der Erlangung der Führungsberechtigung eines bestimmten Hubschraubertyps, jeder Pilot seinen eigenen Lehrer. Auf diese Weise können wir unsere theoretische und praktische Ausbildung optimieren. Dabei halten wir uns nicht einfach an gesetzliche Vorgaben, sondern schulen weit darüber hinaus, schließlich geht es um die Sicherheit unserer Patienten und Besatzungen.“

Das Type Rating besteht aus einer jeweils einwöchigen Theorie- und Praxisphase mit anschließender Prüfung. „Außerdem gibt es eine zweitägige Technikausbildung, die einfache Arbeiten am Hubschrauber wie den Wechsel einer defekten Lampe oder den fachgerechten Austausch von Instrumenten ermöglicht. Ansonsten müsste jedes Mal ein Techniker kommen und der Hubschrauber stünde in dieser Zeit nicht bereit, um Menschen in Not schnelle Hilfe zu leisten“, erklärt Rüdiger Bosch.

Erzgebirge, Schwarzwald, Bodensee

Pilot Felix Freitag besteht die Prüfungen auf Anhieb und kann so direkt in die Supervisionsphase übergehen, bei der er an verschiedenen Standorten unter Aufsicht eines erfahrenen Piloten den Einsatzalltag kennenlernt: Wie läuft ein Einsatz ab? Wie erkunde ich einen geeigneten Landeplatz? Wie führe ich die Kommunikation durch? „Der Fokus liegt hierbei auf einsatztaktischen Verfahren, aber auch auf administrativen Arbeiten an der Station wie die Dokumentation von Einsätzen oder die Annahme von Kerosinlieferungen. Während der Supervisionsphase müssen unsere Piloten mindestens zehn Flugstunden und zehn Einsätze leisten – beides wird in der Regel deutlich überschritten. Am Ende werden die Einsatzverfahren bei einem sogenannten Line-Check überprüft. Diesen hat Felix Freitag problemlos bestanden“, so Rüdiger Bosch.

Zwickau, Leonberg, Friedrichshafen – so lauteten die Stationen des neuen Piloten der DRF Luftrettung während der Supervisionsphase. Nun freut sich Felix Freitag auf seine neue fliegerische Heimat im Thüringer Wald. Sein vorläufiges Fazit ist eindeutig: „Durch die Gespräche mit befreundeten Piloten waren meine Erwartungen sehr hoch – und wurden sogar noch übertroffen. Es macht großen Spaß, die Kollegen sind toll und die Hubschrauber in einem hervorragenden Zustand. Pilot bei der DRF Luftrettung zu sein erfüllt meinen Traum von der Fliegerei mit einem Sinn: Es geht nicht mehr um ein Stück Rohr in der Erde, sondern um Menschenleben. Man tut, was man liebt, und kann damit noch Menschen helfen.“

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