Pilot | Portrait

Günter Eigenbrodt

„Wir sind ein kleiner Haufen von Menschen – jeder spezialisiert in seinem Bereich – der nur funktionieren kann, wenn jeder bereit ist, sich auf den anderen einzulassen."

Er ist 1,93 m groß, bringt 110 kg auf die Waage und hat im Laufe seines bisherigen Lebens um die 7.700 Flugstunden gesammelt. Dass es bis zur Rente und darüber hinaus noch ein paar mehr werden, daran lässt Pilot Günter Eigenbrodt keinen Zweifel.

„Ihr fliegt mit dem Herzblatt-Hubschrauber nach ...“ Erinnern Sie sich noch an diesen Satz? Einer der Piloten, der die „Auserwählten“ zum Ort des gemeinsamen Kennenlernens geflogen hat, war Günter Eigenbrodt. „Das war zwischen 1992 und 1998, als ich bei einem privaten Luftfahrtunternehmen alle Facetten der gewerblichen Arbeitsfliegerei kennengelernt und Type Ratings für sieben verschiedene Hubschraubermuster durchlaufen habe“, erzählt der erfahrene Pilot.

Im Unterschied zu vielen seiner Kollegen, die sich fliegerisch bei der Bundeswehr ausbilden ließen, liebäugelte Günter Eigenbrodt mit dem Bundesgrenzschutz, der heutigen Bundespolizei. Nach einer 2½-jährigen Ausbildung zum Polizeivollzugsbeamten des Bundes – „die war Voraussetzung für eine fliegerische Ausbildung“ – hatte er sich auf die Auswahl zum Hubschrauberpiloten beworben, letztendlich mit Erfolg. 1984 begann er seine Ausbildung zum Hubschrauberführer, lernte das taktische Fliegen (z.B. Tiefflug, Verbandsflug) sowie das Fliegen über Wasser und im Gebirge. Den Pilotenschein in der Tasche, wurde er häufig bei der Grenzüberwachung eingesetzt – „vom Dreisesselberg im Bayerischen Wald bis hin zur Wasserkuppe in der Rhön kannte ich alle Grenzpfähle mit Vornamen“, lacht der 57-Jährige. In jener Zeit flog er auch seine ersten Rettungseinsätze für den Katastrophenschutz.

1998 nahm ihn dann die DRF Luftrettung unter Vertrag. In seinem ersten Jahr hat er gleich eine ganze Reihe Stationen kennengelernt: Hartenholm, Bremen, Rendsburg, Fürstenwalde, Göttingen, Suhl, Zwickau, Nürnberg, Villingen-Schwenningen, Karlsruhe, Leonberg, Mannheim – und Friedrichshafen. Hier ist der gebürtige Franke mittlerweile Stationsleiter sowie Verbundleiter der Südstationen. Friedrichshafen ist für ihn „die Perle“ unter den Standorten, „hier findet man alles, was das Pilotenherz höher schlagen lässt: Wunderschöne Landschaften, hohe Berge, Seen, den Schwarzwald und die Schwäbische Alb“, erzählt er. „Außerdem ist das Einsatzspektrum enorm groß und somit auch die Anforderungen an die Fliegerei. Bringt man eben noch Strömungstaucher ans Ufer bei Stein am Rhein, damit diese nach vermissten Schwimmern oder Tauchern suchen können, ist man im nächsten Moment in 7.000 Fuß Höhe am Allgäuer Nebelhorn, um verletzte Wanderer zu versorgen. Nicht zuletzt haben wir in Friedrichshafen ein spitzen Team, auf das man sich 100-prozentig verlassen kann.“

Das muss auch so sein, denn das Wichtigste an einem Team in der Luftrettung ist das unbedingte gegenseitige Vertrauen. Eigenbrodt: „Wir sind ein kleiner Haufen von Menschen – jeder spezialisiert in seinem Bereich – der nur funktionieren kann, wenn jeder bereit ist, sich auf den anderen einzulassen. Keiner ist höherwertiger als der andere, keiner hat geringere Rechte, und im Moment der Unsicherheit eines Einzelnen gilt dessen Meinung. Nur so ist ein gefahrloses und sicheres Erreichen unserer gemeinsamen Aufgabe möglich.“

„Nicht das Hauruck- Verfahren führt zum Erfolg führt, sondern miteinander reden und sich auszutauschen."

Nicht ohne Grund ist Günter Eigenbrodt seit vielen Jahren Stationsleiter. Er ist vom ruhigen Schlag, mag keinen Streit und ist überzeugt davon, dass sich jeder Konflikt friedlich regeln lässt. Als Stationsleiter ist er viel im Gespräch mit den Kollegen, da muss er auch mal Überzeugungsarbeit leisten, wenn es z.B. darum geht, Lücken im Dienstplan zu füllen. „Ich stelle immer wieder fest, dass nicht das Hauruck- Verfahren zum Erfolg führt, sondern vielmehr miteinander zu reden und sich auszutauschen. Trotzdem muss man hin und wieder mal den Hosenträger ‚schnalzen’ lassen, es kommt nur darauf an, wie man das tut“, erklärt er sein Erfolgsrezept. Möglicherweise ist dies auch auf wesentliche Eigenschaften zurückzuführen, die er mitbringt: lebensbejahend, geradlinig, ehrlich, treu und pragmatisch bei der Lösung von Problemen. „Vor allen Dingen lache ich sehr gerne – auch über mich selbst!“

Ein paar Dienstjahre liegen noch vor ihm, doch beim Thema passive Altersteilzeit winkt er ab: „Das Wort passiv gibt´s bei mir nicht. So lange ich diesen Spaß an der Fliegerei habe, werde ich auch jenseits der 60 noch durch die Lüfte schaukeln.“ Das wird er ganz sicher.

Portrait vom April 2018

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