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IT-Leiter | Interview

Harald Brendel

Auch wenn zu Beginn der Einführung neuer Technologien ein erhöhter Mehraufwand steht, rechnet sich die Investition. Denn es ist auch eine Investition in die Sicherheit, und das hat für uns als Luftrettungsorganisation oberste Priorität.

Sicherheit wird beim Electronic Flight Bag groß geschrieben

Das "Electronic Flight Bag", kurz EFB, spart 35 kg Gewicht und damit Kerosin ein. Die DRF Luftrettung darf es seit dem Sommer 2012 an Bord ihrer Ambulanzflugzeuge nutzen. Vor welche Herausforderungen der Tablet-Computer die IT-Abteilung gestellt hat und wodurch die Datensicherheit gewährleistet wird, wollten wir von IT-Leiter Harald Brendel wissen.

Unsere Frage: Herr Brendel, die Piloten der Ambulanzjets äußern sich sehr positiv zur Handhabung und den Möglichkeiten, die das EFB bietet. Sind Sie und Ihre Mitarbeiter ebenso begeistert?

Harald Brendel: Ja. Es war eine Herausforderung, mit einem für uns neuen Betriebssystem (iOS) zu arbeiten.

Unsere Frage: Meinen Sie damit die Inbetriebnahme und Anmeldung der EFBs?

Harald Brendel: Jedes EFB mit UMTS benötigt eine SIM-Karte des Mobilfunkanbieters, wie beim Handy, und jedes einzelne Gerät muss beim Hersteller registriert werden. Das gleiche gilt für die Anwendungen, die sogenannten Apps. Hierfür haben wir die erforderlichen Zertifikate erworben.

Unsere Frage: Welche technischen Voraussetzungen mussten für die Integration der Tablets ins Firmennetzwerk geschaffen werden?

Harald Brendel: Wir haben ein sogenanntes Mobile Device Management (MDM) eingerichtet…

Unsere Frage: …Was ist das?

Harald Brendel: Das ist ein Server, der mobile Geräte wie Telefone oder Tablet-Computer verwaltet. Er ermöglicht uns, die EFBs sicher in unser Computersystem zu integrieren. Der MDM-Server verwaltet und steuert jedes Gerät.

Unsere Frage: Der MDM-Server dient also als Steuerungszentrale und erhöht dadurch die Sicherheit?

Harald Brendel: Ja, dabei garantiert er mehr als nur die Datensicherheit. Über den Server kann die IT-Abteilung alle betrieblich genutzten EFBs drahtlos konfigurieren, es gibt zahlreiche Einstellmöglichkeiten. Bei den im Flugbetrieb befindlichen EFBs ist weder das Surfen im Internet noch das Versenden von E-Mails erlaubt. Auch private Daten dürfen nicht auf dem Tablet gespeichert werden. Sollte ein EFB verlorengehen, könnten wir dessen Inhalte per Fernzugriff löschen oder das Gerät sperren.

Unsere Frage: Welche Applikationen sind auf den EFBs installiert?

Harald Brendel: Zu den installierten Apps des Herstellers kommen jene, die der Flugbetrieb definiert, sowie Dokumente. Denn die Piloten müssen auf das Flugbetriebshandbuch zugreifen können, zum Beispiel zur Errechnung ihres Abfluggewichts. Das für die Flugdurchführung benötigte Kartenmaterial beziehen wir als kostenpflichtige App von einer Firma. Hinzu kommen Programme wie Taschenrechner, Währungsrechner, Skype oder zum Beispiel eine Nachrichten-App für aktuellste Meldungen aus aller Welt.

Unsere Frage: Ist es nicht sehr aufwendig, die Programme auf dem aktuellsten Stand zu halten, zum Beispiel die An- und Abflugkarten für alle Flughäfen dieser Welt?

Harald Brendel: Nein. Vor jedem Flug aktualisieren die Piloten die Daten des EFBs. So zeigt die App an, ob inzwischen Karten in einer neueren Version vorliegen. Der Pilot bestätigt die Revision der Karten und die Aktualisierung läuft dann automatisch, wenn eine entsprechende Berechtigung vorliegt.

Unsere Frage: Und was geschieht, wenn doch eine App eines Fremdanbieters auf das EFB gelangen sollte?

Harald Brendel: Für diesen Fall haben wir auf dem MDM-Server eine Spezialsoftware ("Jailbreak Detection") integriert. Sie erkennt, ob die Firmware oder das Betriebssystem eines EFB verändert oder eine nicht autorisierte Applikation geladen wurde – und schaltet sie einfach ab.

Unsere Frage: Ist dieser Aufwand gerechtfertigt?

Harald Brendel: Auch wenn zu Beginn der Einführung neuer Technologien ein erhöhter Mehraufwand steht, rechnet sich die Investition. Denn es ist auch eine Investition in die Sicherheit, und das hat für uns als Luftrettungsorganisation oberste Priorität.