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Pilot | Portrait

Heinrich Kammermeier

Ich kann vor Ort miterleben, wie froh die Menschen hier in der Region sind, einen Rettungshubschrauber zu haben.

Seit fast 40 Jahren sitzt Heinrich Kammermeier im Cockpit, seit zwei Jahrzehnten fliegt er für die DRF Luftrettung. Doch anders als viele andere kleine Jungen träumte er als Kind nicht vom Fliegen, er wollte Polizist werden. Folgerichtig machte er mit 17 Jahren nach der Mittleren Reife eine Ausbildung beim damaligen Bundesgrenzschutz (BGS). "Eine genaue Vorstellung davon, was mich erwartet und welche Möglichkeiten die Polizei bietet, habe ich nicht gehabt", erzählt er. Recht militärisch ging es am Anfang zu, zur Formalausbildung gehörten das Marschieren und der Umgang mit Waffen ebenso wie das Bewegen im Gelände und Rechtskunde. Auch später im Dienst blieb es sportlich: Mit seiner Dienstgruppe ging er unter anderem auf Skistreife an der Grenze zur damaligen Tschechoslowakei. „Mit Langlaufski im ungespurten Gelände, das war schon eine ziemliche Herausforderung. Das Skifahren hat man so aber schnell gelernt“, fügt er schmunzelnd hinzu.

Dann landete eines Tages ein Polizeipilot mit einem Hubschrauber auf dem Hof und die jungen Polizisten durften mitfliegen, an jener Grenze entlang, die sie aus der Skifahrerperspektive schon so gut kannten. Bei Heinrich Kammermeier machte es klick und es war klar, dass er sich für die Ausbildung zum Hubschrauberpiloten bewerben würde. Eine Woche lang kämpfte er sich durch das anstrengende Auswahlverfahren. Dann hatte der Niederbayer es geschafft und startete mit Begeisterung die eineinhalb Jahre dauernde Ausbildung am Steuerknüppel. An deren Ende musste er sich dann noch drei Monate lang bis zu seinem 21. Geburtstag gedulden, bis er endlich seine Pilotenlizenz in den Händen hielt.

Im aktiven Dienst wurde er eingeteilt zur Fliegerstaffel Süd in Oberschleißheim. Zum Alltag des jungen Piloten gehörten nun viele Einsätze zur Überwachung der Grenzen, ebenso Flüge von Politikern. Doch auch Großereignisse, die in dieser Zeit das ganze Land beschäftigten, erlebte er aus nächster Nähe. Der Konflikt um die umstrittene Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf hielt in den 80er-Jahren die Region lange in Atem. Heinrich Kammermeier war mit seinem Hubschrauber vor Ort, als die Demonstrationen und Krawalle am Bauzaun immer heftiger wurden. Und als in Frankfurt über 120.000 Menschen gegen den Bau der Startbahn West protestierten, behielt er für den Bundesgrenzschutz die Menschenmenge aus der Luft im Blick.

Bald zeigte sich jedoch, dass eine besondere Sparte des Hubschrauberfliegens das Herz Heinrich Kammermeiers gewonnen hatte: die Luftrettung. Die Möglichkeit, täglich Menschen zu helfen, faszinierte ihn. Über die Jahre flog er für den Bundesgrenzschutz viele Rettungseinsätze an verschiedenen Stationen, unter anderem in Villingen-Schwenningen. Seit 1996 stellt hier die DRF Luftrettung den Flugbetrieb sicher.

Neue Wege

Nach einigen Jahren beim BGS stand die Entscheidung an, bei der Polizei zu bleiben oder neue Wege einzuschlagen. „Kurz vor meinem 30. Geburtstag habe ich mich gefragt, wie es mit meiner beruflichen Entwicklung weitergehen sollte. Eine Überlegung war, ein zweites Standbein aufzubauen. Denn mit der Fliegerei kann es schnell vorbei sein, zum Beispiel wegen einer Verletzung der Hand oder der Augen“, beschreibt er die Beweggründe, das Fachabitur nachzuholen und ein Studium der Flugbetriebstechnik anzufangen. „Es stand allerdings nie zur Debatte, den Pilotenschein verfallen zu lassen. Dafür lag mir das Fliegen bereits viel zu sehr am Herzen.“ Letzten Endes setzte sich aber die Faszination für die Rettungsfliegerei durch, er entschied sich gegen einen Bürojob als Ingenieur und für eine Bewerbung bei der DRF Luftrettung.

Hier lernte er nach und nach alle Stationen in Deutschland kennen. Seine Herkunft aus Niederbayern hört man Heinrich Kammermeier nach wie vor deutlich an und er ist seiner bayerischen Heimat in all den Jahren immer treu geblieben. Als die DRF Luftrettung den Zuschlag für die Station Weiden in der Oberpfalz erhielt, bewarb er sich sofort um eine der dortigen Pilotenstellen. „Es ist toll, dass ich jetzt in Weiden fliegen kann und dadurch einen so kurzen Weg zur Arbeit habe. Außerdem kann ich vor Ort miterleben, wie froh die Menschen hier in der Region sind, auch endlich einen Rettungshubschrauber zu haben.“ Die Station ist vier Jahre nach ihrer Gründung bestens integriert, die Arbeit der Besatzungen wird sehr geschätzt. Die Oberpfälzer identifizieren sich mit „ihrem“ Christoph 80, immer wieder besuchen Gruppen die Station und suchen den Kontakt mit den Luftrettern.

Seit 20 Jahren lässt Heinrich Kammermeier für die DRF Luftrettung die Rotoren an und er ist voll bei der Sache – nicht nur als Pilot. Letztes Jahr ließ er sich für die Betriebsratswahl aufstellen, wurde gewählt und er hat den Anspruch, die Belange der Arbeitnehmer nachdrücklich zu vertreten: „Eine gute Organisation braucht  einen guten Betriebsrat!“ Er ist überzeugt davon, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer davon profitieren, wenn wichtige Entwicklungen und Entscheidungen im Vorfeld abgesprochen werden und das gemeinsame Gestalten im Vordergrund steht.

An seinem Job liebt er, dass er nah an den Patienten ist und ihnen im vielleicht schlimmsten Moment ihres Lebens helfen kann. „Wir erleben viel Menschlichkeit in unserem Alltag, viel Leid, aber auch viel Dankbarkeit“, sagt er. „Mein Alltag ist zudem sehr abwechslungsreich, schon dadurch, dass ich regelmäßig mit einer anderen medizinischen Besatzung fliege. Im Einsatz treffen wir auf die unterschiedlichsten Menschen – neben den Patienten und ihren Angehörigen zum Beispiel die Kollegen des bodengebundenen Rettungsdiensts, der Polizei oder auch der Feuerwehr.“ Schön sei es, so fährt er fort, dass immer wieder ehemalige Patienten an die Station kämen und sich für die schnelle Hilfe aus der Luft bedankten.

„Ah, die BO 105!“ Heinrich Kammermeier muss keine Sekunde überlegen, an welchem der Hubschraubermuster, in deren Cockpit er über die Jahre saß, er am meisten hängt. Sieben verschiedene Typen hat er kennen und fliegen gelernt, musste sich mit ihren Stärken und Eigenheiten auseinander setzen. Am Steuerknüppel der BO 105 saß er insgesamt 30 Jahre lang. Das schweißt zusammen. Der Pilot schwärmt von seinem Lieblingsfluggerät, hat aber auch einen realistischen Blick auf die Entwicklungen der letzten Jahre: „Die BO 105 ist mir einfach ans Herz gewachsen. Aber Stand der Technik sind natürlich die BK 117 und die EC 135 sowie die neue H 145. Sie sind für unsere Rettungseinsätze perfekt geeignet, die DRF Luftrettung war sogar an ihrer Entwicklung beteiligt. Ob fliegerische Ausrüstung, Ergonomie oder die medizinischen Geräte des Hubschraubers, die Fortschritte, die es gegeben hat, seitdem ich angefangen habe, sind enorm und machen unsere Arbeit einfacher, effektiver und sicherer.“

Seit fast 40 Jahren sitzt Heinrich Kammermeier nun schon auf dem Pilotensitz und er steigt immer noch jeden Morgen gern ins Cockpit. „Es macht Spaß, ich habe einen tollen Job. Wie gut, dass seinerzeit dieser Polizeihubschrauber in unserem Hof gelandet ist und ich deshalb Pilot geworden bin! Ich hätte sonst viel verpasst.“

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