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Pilot | Portrait

Marco Cramme

Luftrettung bedeutet Teamarbeit, füreinander da sein, gemeinsam das Beste für unsere Patienten erreichen.

Am Anfang steht der Traum vom Fliegen. Und für die meisten Piloten erfüllt er sich bei der Bundeswehr. Auch Marco Cramme ging diesen Weg, 18 Jahre lang war er Berufssoldat. Er transportierte Soldaten und Materialien in Krisengebiete wie den Kosovo, war Teil militärischer Manöver und flog den Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland an unterschiedliche Zielorte. Die letzten Jahre arbeitete er zusätzlich als Fluglehrer. Doch dann fasste er einen Entschluss: Weg aus Deutschland, ein anderes Land, eine neue Herausforderung musste her.

Sein Ziel: Vancouver Island, die größte nordamerikanische Pazifikinsel. „Kanada hatte mich schon länger gereizt. Es ist ein tolles Land, ich habe die Zeit dort sehr genossen“, erinnert sich der 47-Jährige. Auch fliegerisch entwickelt er sich in dieser Zeit weiter. Heli-Logging ist sein neuer Job als Pilot, dabei werden Baumstämme aus einem Wald in schwer zugänglichem Gelände mittels Hubschraubern abtransportiert. „Das schont die Natur, da keine Straßen notwendig sind.“

Marco Cramme bezeichnet das Heli-Logging als „Königsklasse der Hubschrauberfliegerei“: „Es ist ungemein anspruchsvoll. Man fliegt ständig mit maximalem Gewicht und maximaler Leistung, an Gebirgshängen entlang, bei fast jedem Wetter und jeder Windstärke.“

Nach drei Jahren in Kanada zieht es ihn zurück nach Deutschland, seinen Kindern zu Liebe. Dort schaut er sich verschiedene Arbeitsmöglichkeiten an und legt sich kurzerhand fest: „Ich wollte zur DRF Luftrettung. Mich sprach die Philosophie der gemeinnützig tätigen Organisation an, ich konnte mich damit vollständig identifizieren. Daher entschied ich, mich nur dort zu bewerben. Und bis heute freue ich mich darüber, dass es geklappt hat.“

Ein undenkbar schwieriger Start

Marco Cramme wird zunächst Springer, sein erster Arbeitstag in der sogenannten Supervisionsphase führt ihn am 11. März 2009 an die Leonberger Station der DRF Luftrettung. Er rechnet mit Verkehrsunfällen, Herzinfarkten, Schlaganfällen – all den Einsatzarten, auf die er vorbereitet wurde. Doch sein erster Einsatz sollte ein anderer werden: „Schießerei an Schule“, lautete die Meldung der Leitstelle. Es war der Amoklauf von Winnenden.

„Das war natürlich eine Extremsituation, schwieriger konnte der Start kaum sein“, erzählt Marco Cramme. „Wir waren die ersten vor Ort und gingen direkt in die Schule, um zu helfen. Für einige kam jede Hilfe zu spät. Später sprachen wir im Team über das, was geschehen war. Das machen wir immer, wenn uns Einsätze nachhaltig beschäftigen. Dieser Austausch ist ungemein wichtig, denn zu unserem Alltag gehören nun mal auch tragische Erlebnisse. Luftrettung bedeutet Teamarbeit, füreinander da sein, gemeinsam das Beste für unsere Patienten erreichen. Alleingänge sind da nicht möglich. Und das Schöne bei der DRF Luftrettung ist, dass diese Teamarbeit über den Einsatz hinaus besteht.“

Neue Heimat: Magdeburg

Nach zahlreichen Stationen in Deutschland findet Pilot Marco Cramme letztlich in Magdeburg seine neue Heimat. „Mir gefiel die Station, aber auch die Stadt mit ihrem Dom, Hundertwassers Grüner Zitadelle und den vielen schönen Cafés an der Elbe. Und die Magdeburger lieben ihren Rettungshubschrauber. Wo immer wir im Einsatz sind, die Leute kommen auf uns zu und sagen, wie dankbar sie für unsere Arbeit sind. Für mich war schnell klar: Hier willst du leben und arbeiten.“

Seit 10 Jahren betreibt die DRF Luftrettung inzwischen die Station in der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts. Den Großteil dieser Zeit hat Marco Cramme miterlebt. „Besondere Erinnerungen gibt es viele. So haben wir damals einen der beiden ersten Hubschrauber der DRF Luftrettung in der heutigen Lackierung bekommen. Außerdem waren wir Vorreiter bei der Einführung des Digitalfunks. Einzigartig ist zudem das jährliche Konzert in unserem Hangar für kranke Kinder, bei dem wir den Kinderklinikkonzerte e.V. unterstützen. Nach 3Berlin, Revolverheld und Jupiter Jones werden auch 2016 wieder prominente Künstler bei uns auftreten. Das bleibt aber ein Geheimnis, eine Überraschung für die Kinder.“

Wenn Marco Cramme von den Besonderheiten seiner Arbeit in Magdeburg erzählt, kommt er schnell auf das wichtigste Thema zu sprechen: „Wir können Leid lindern, Menschen helfen – in Magdeburg, aber auch im Umland, wo der Zeitvorteil des Hubschraubers besonders groß und lebenswichtig ist.“ Oft sind es internistische Notfälle, oft sind es Verkehrsunfälle auf der A2, A14, B1 oder B81. Nur selten sind es Patiententransporte zwischen Kliniken. Kein Wunder: Christoph 36 ist der einzige Rettungshubschrauber in Sachsen-Anhalt. Und nur rund 75 Kilometer weiter südlich, in Halle an der Saale, stehen zwei Intensivtransporthubschrauber der DRF Luftrettung.

Luftrettung par excellence

Ein Einsatz ist Marco Cramme besonders im Gedächtnis geblieben: „Der Fahrer eines Autotransporters hatte einen Magendurchbruch erlitten. Mit letzter Kraft wählte er auf seinem Handy die 112. Doch in seinem Zustand war er kaum noch zu verstehen, dann brach die Verbindung ab. Die Leitstelle veranlasste eine Handyortung und gab die Position des Sendemasts in Kläden, wo sich das Handy des Mannes zuletzt eingeloggt hatte, an uns weiter, zusammen mit der Info: ‚weißer Autotransporter mit Fahrzeugen‘. Wir machten uns sofort auf die Suche, flogen die Umgebung vom Sendemast aus sternförmig ab. Zufällig fiel mir ein unbeladener dunkler Autotransporter auf einem Feldweg hinter einem Gebäude auf, was uns komisch vorkam. Im Schwebeflug näherten wir uns dem Fahrzeug, der Mann darin rührte sich nicht. Und tatsächlich: Es war unser Patient. Wir konnten ihn gerade noch rechtzeitig retten. Man muss es klar sagen: Ohne Luftrettung wäre der Mann gestorben, der Rettungswagen hätte ihn von der Straße aus nie gefunden. Das war Luftrettung par excellence und einer der vielen Momente, die die Arbeit der DRF Luftrettung so besonders machen. Und ich bin stolz darauf, ein Teil davon zu sein.“

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