Sie sind hier

Avioniker | Interview

Mario Aubele

Ich mag den Gedanken, durch meine Arbeit zur Rettung von Menschenleben beizutragen.

„Großes Vertrauen bedeutet große Verantwortung“

Mario Aubele arbeitet als Avioniker im Werftbetrieb der DRF Luftrettung in Rheinmünster. Zu Beginn des Jahres hat er seine Ausbildung bei der gemeinnützig tätigen Luftrettungsorganisation abgeschlossen. Im Interview erklärt Aubele, wie ihm die DRF Luftrettung als Ausbildungsbetrieb gefällt und welche Herausforderungen er während seiner Lehrjahre meistern musste.

Warum haben Sie sich für eine Ausbildung zum Avioniker entschieden?

Mario Aubele: Ich war schon immer fasziniert von Hubschraubern und wollte wissen, welche Technik dahintersteckt. Deswegen habe ich während meiner Schulzeit ein Praktikum als Mechaniker bei der damals zur DRF Luftrettung gehörenden HDM Luftrettung in Nürnberg absolviert. Das hat mir so gut gefallen, dass ich mich nach meinem Schulabschluss für eine Ausbildung zum Fluggerätemechaniker beworben habe ...

... und zwar bei der DRF Luftrettung?

Mario Aubele: Ja, neben anderen Ausbildungsstätten. Aber die DRF Luftrettung war von Anfang an mein Favorit. Ich mag den Gedanken, durch meine Arbeit zur Rettung von Menschenleben beizutragen. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, als ich für ein einwöchiges Praktikum in den Werftbetrieb nach Rheinmünster eingeladen wurde.

Warum haben Sie sich nach dem Blick hinter die Kulissen für die Avionik entschieden?

Mario Aubele: Während des Praktikums hatte ich die Möglichkeit, Mechanikern und Avionikern über die Schultern zu schauen. Die komplexen Avioniksysteme in den Hubschraubern und Ambulanzflugzeugen haben mich fasziniert. Kurz darauf bekam ich das Angebot, die Ausbildung zum Elektroniker für luftfahrttechnische Systeme bei der DRF Luftrettung zu beginnen. Ich habe keine Sekunde gezögert und sofort zugesagt.

Welche Voraussetzungen sollte ein angehender Avioniker mitbringen?

Mario Aubele: Man sollte mindestens einen Realschulabschluss und gute Noten in Physik, Mathematik und Englisch haben. Darüber hinaus sollte man analytisch Denken können und bereit sein, sich ständig weiterzubilden. Denn es ist wichtig zu verstehen, wie die komplexen Systeme im Luftfahrzeug zusammenwirken. Dazu sind beispielsweise Kenntnisse der Elektronik und Elektrotechnik nötig. Sämtliche Handbücher zu den Luftfahrzeugen sind in englischer Sprache verfasst, daher ist die Fremdsprache so wichtig.

In der Ausbildung muss man also ordentlich die Schulbank drücken?

Mario Aubele: Richtig. In der Berufsschule wird bestehendes Wissen vertieft und erweitert. Wer elektrische und elektronische Geräte verstehen, prüfen und warten möchte, muss gut rechnen können. Die Grundlagen der Elektrik und Elektronik lernt man im ersten Lehrjahr – in der Theorie und in der Praxis. Während der Ausbildung war ich immer für jeweils sechs Wochen im Werftbetrieb und anschließend für zwei Wochen in der Berufsschule.

Und wie lange dauert die Ausbildung insgesamt?

Mario Aubele: Dreieinhalb Jahre. Allerdings lernt man in diesem Beruf nie aus, da ständig neue Systeme und Luftfahrzeuge entwickelt werden. Im ersten Lehrjahr arbeitet man noch wenig am Fluggerät. Die praktischen Fertigkeiten, z. B. Kabel verquetschen, löten und erneuern, werden in den Werkstätten geübt. Im zweiten Jahr lernt man den Aufbau von Luftfahrzeugen und deren Ausrüstung. Die Cockpits aller Fluggeräte haben eine ähnliche Architektur, d. h. gewisse Instrumente und Bedienelemente befinden sich immer an der gleichen Stelle. Das erhöht die Flugsicherheit unserer Besatzungen. Inhaltsschwerpunkte des dritten Lehrjahres sind die Avioniksysteme und ihre Funktionen. Zum Ende der Ausbildung durfte ich immer selbstständiger an den Hubschraubern arbeiten – natürlich stets in Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Luftfahrtgeräteprüfer.

Und wie wurde das Gelernte während der Ausbildung kontrolliert?

Mario Aubele: Es gab eine Zwischen- und eine Abschlussprüfung, die sich jeweils in einen theoretischen und einen praktischen Teil gegliedert haben. Bei meiner praktischen Abschlussprüfung habe ich von der Arbeitsvorbereitung einen betrieblichen Auftrag zur Kontrolle eines Cockpit Voice Recorders, also eines Flugschreibers, erhalten. Anschließend musste ich einer dreiköpfigen Prüfungskommission Rede und Antwort stehen und erklären, wie ich bei der Erfüllung des Auftrages vorgegangen bin, z. B. nach welchen gültigen Wartungsunterlagen ich ihn bearbeitet habe. In der Theorie wurden alle Themengebiete abgefragt, die während der Ausbildung in der Berufsschule und im Betrieb gelehrt wurden.

Das hört sich umfangreich und anspruchsvoll an. Wie schätzen Sie die Qualität der Ausbildung bei der DRF Luftrettung ein?

Mario Aubele: Die DRF Luftrettung ist für mich der beste Ausbildungsbetrieb, den man sich wünschen kann. Das gilt sowohl in Bezug auf meine Ausbilder als auch auf meine Kollegen in der Avionikwerkstatt. Das Arbeitsklima ist sehr gut und ich hatte jederzeit die Möglichkeit, mich intensiv in verschiedene Bereiche einzuarbeiten. Alle Kollegen – ob Mechaniker oder Mitarbeiter des Entwicklungsbetriebs – sind immer offen auf meine Fragen eingegangen. Fachlich wurde mir eine solide Basis vermittelt. Beginnend bei den Hubschraubermustern BO 105, BK 117 und EC 135 über den Learjet 35 bis hin zur EC 145 habe ich die unterschiedlichen Generationen und Techniken der einzelnen Luftfahrzeuge kennengelernt.

Haben Sie sich deshalb entschieden, nach Ihrem Abschluss bei der DRF Luftrettung zu bleiben?

Mario Aubele: Die Arbeit hier macht mir sehr viel Spaß, auch, weil sie so abwechslungsreich ist. Ich bin regelmäßig für Wartungsmaßnahmen an verschiedenen Stationen der DRF Luftrettung. Dabei bekomme ich auch einen Einblick in den Arbeitsalltag der Besatzungen. Uns wird großes Vertrauen entgegengebracht, weil wir für die Flugsicherheit von Hubschraubern und Flugzeugen sorgen. Damit einher geht große Verantwortung. Man muss immer zu 100 Prozent bei der Sache sein, denn bei meinem Beruf kann jede kleinste Unkonzentriertheit schwerwiegende Folgen haben.