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Pilot | Portrait

Martin Dlugosch

Wir spüren viel Zuneigung, wenn wir den Menschen begegnen

Jeder Pilot hat seine eigene Geschichte, die ihn zur Fliegerei führte. Bei Martin Dlugosch war es ein Modellbauwettbewerb in seiner oberschlesischen Heimatstadt Gleiwitz, bei dem der damals 8-Jährige zum Sieger gekürt wurde. „Der Preis war ein Rundflug in einem einmotorigen Flugzeug“, erinnert er sich. „Als ich damals von oben auf meine Heimatstadt blickte, dachte ich: ein unbeschreibliches Gefühl, das möchte ich öfter erleben.“

Diese Vorstellung begleitete ihn die Folgejahre, während zahlreicher Stunden auf dem Flugplatz, von wo aus er im Alter von 14 Jahren erstmals allein mit einem Segelflugzeug abhob. Wenige Jahre später – die Familie war inzwischen nach Deutschland gezogen – trat er der Bundeswehr bei und gehörte zur Hubschrauberregiment im niedersächsischen Faßberg, inmitten der Lüneburger Heide. Ein Zufall sollte den Zeitsoldaten erstmals zur Luftrettung führen: „Der in Bielefeld stationierte Rettungshubschrauber sollte für ein Jahr von der Bundeswehr betrieben werden. So flog ich die ersten Notfalleinsätze – und es passte alles für mich. Ich erkannte die Sinnhaftigkeit dieser Arbeit und stellte fest, dass ich meine militärisch erworbenen Fähigkeiten sinnvoll im zivilen Bereich einsetzen konnte. Genau das wollte ich künftig tun.“

Am 1. November 1993 trat Martin Dlugosch seinen Dienst bei der DRF Luftrettung an. Im Rahmen der internen Einweisung kam der damals 32-Jährige erstmals nach Rendsburg. Sein weiterer Weg als Pilot der gemeinnützig tätigen Organisation führte ihn kreuz und quer durch die Bundesrepublik: von Greifswald an der Ostsee ins südbadische Freiburg, von Göttingen im Zentrum des Landes weiter in den Osten an die Stationen in Zwickau und Fürstenwalde (heute Bad Saarow), dann in die Hansestadt Bremen. Schon damals lebte Martin Dlugosch mit seiner Frau und den beiden Töchtern in einem Dorf im Emsland. „Da man immer mehrere Tage hintereinander abwechselnd an der Station und zu Hause verbringt, spielt es in meinem Beruf keine große Rolle, wo man wohnt. Wichtiger ist, dass sich die Familie wohlfühlt und das soziale Umfeld stimmt.“

Nach rund neun Jahren in Bremen schloss sich schließlich der Kreis, Martin Dlugosch kehrte 2009 zurück nach Rendsburg. „Was mich hier von Anfang an sehr beeindruckt hat, ist der große Rückhalt, den die Station in der Bevölkerung genießt. Wir spüren viel Zuneigung, wenn wir den Menschen begegnen“, erzählt der 54-jährige Pilot, der inzwischen auch als Stationsleiter tätig ist. „Seit 40 Jahren ist der Rettungshubschrauber inzwischen in Rendsburg stationiert, länger als alle anderen in diesem Bundesland. Die Station ist fest verwurzelt und gehört zu den ältesten in Deutschland. Zudem ist Christoph 42 als einziger Hubschrauber in Schleswig-Holstein rund um die Uhr einsatzbereit.“

Die hohe Akzeptanz in Rendsburg in Umgebung spiegelt sich in häufigen Spendenübergaben an der Station wider – aber auch in einem regen Kontakt zu ehemaligen Patienten. „Jedes Jahr besucht uns beispielsweise eine Familie und bringt einen selbstgebackenen Kuchen mit. Das ist ihre Art Danke zu sagen.“ Vor Jahren hatte die Besatzung das einzige Kind dieser Familie gerettet, das bei einem Unfall schwer Verletzungen erlitten hatte. „Der kleine Patient musste schnellstmöglich in die Chirurgie, da sein Gesicht völlig entstellt war. Heute sieht man zum Glück nichts mehr davon, alles ist gut verheilt."

Wenn Martin Dlugosch über besondere Momente seiner Arbeit erzählt, kommt er auch immer wieder auf seine Weggefährten zu sprechen: „Ich habe in der Zeit bei der DRF Luftrettung schon viele tolle Menschen kennengelernt, die für mich persönlich eine Bereicherung waren“, so der Pilot. „Einige Freundschaften sind entstanden. Auch in Rendsburg ist es so, wir haben hier ein großartiges Stationsklima. Da wir Tag und Nacht einsatzbereit sind, ist die Anzahl an verfügbarem Personal recht hoch, die Konstellationen der Besatzungen sind immer wieder unterschiedlich. Man verbringt eine Menge Zeit mit vielen verschiedenen Kollegen. Alle ziehen an einem Strang, sind motiviert und arbeiten hochprofessionell – bei Einsätzen ebenso wie bei anstehenden Stationsprojekten.“

Über 1.500-mal wurden die Besatzungen von Christoph 42 im vergangenen Jahr zu Einsätzen alarmiert. Vielen Menschen konnten sie helfen, zahlreiche Leben wurden gerettet. Martin Dlugosch weiß, dass auch er einen wichtigen Beitrag dazu leistete. Als Pilot ist er für den schnellen und sicheren Transport der Besatzung zum Einsatzort und der Patienten in die oft weit entfernten Kliniken verantwortlich. „Das nächste Klinikum der Maximalversorgung in unserem Einsatzgebiet liegt in Kiel. Von den nordfriesischen Inseln verfügen beispielsweise nur Föhr und Westerland über Krankenhäuser. Das ist einer der Gründe, warum wir häufig zu Notfällen alarmiert werden. Und auch beim Intensivtransport zwischen Kliniken ist der Hubschrauber als Rettungsmittel häufig erste Wahl, für Patienten auf den Inseln nachts oft sogar die einzige.“

Verunglückte Surfer, vermisste Personen im Watt, Ertrinkungsunfälle am Strand – das vielfältige Einsatzspektrum führt sie immer wieder über Nord- und Ostsee. Und manchmal, oft nur für einen kurzen Moment, empfindet Martin Dlugosch dann jenes Gefühl, das ihn als Junge während des Rundflugs ereilte und ihn antrieb, Pilot zu werden. Nachts etwa, während des Flugs, wenn er einen schnellen Blick auf das trocken gefallene Watt der Nordsee werfen kann: „Alles schimmert dann metallisch in verschiedensten Grau-Silber-Tönen. Ein unbeschreiblicher Anblick.“

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