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Pilot | Portrait

Michael Klippert

Das Schöne und Entscheidende an unserer Arbeit ist, dass wir die Situation von Menschen verbessern können

Eigentlich wollte Michael Klippert nach seiner Ausbildung zum Heizungsbauer studieren und Ingenieur werden. Doch zunächst stand die Wehrpflicht an – und diese gab seinem Leben eine ganz andere Richtung. „Als ich 1985 zur Bundeswehr kam, dachte ich darüber nach, wie ich diese Zeit sinnvoll für mich nutzen könnte. Und ich bin schnell aufs Fliegen gekommen. Davor hatte ich die Fliegerei überhaupt nicht auf dem Schirm.“ In Bückeburg macht er seinen Pilotenschein, wird dann nach Rotenburg an der Wümme versetzt, wo er in der Heeresfliegerstaffel 11 fortan eine Alouette II in der Rolle als VBH (Verbindungs- und Beobachtungshubschrauber) fliegt und später die Fluglehrberechtigung erhält.

Insgesamt bleibt er acht Jahre, so lange musste er sich verpflichten. Als die Bundeswehr ihn übernehmen und als Berufssoldat einstellen möchte, lehnt er dies jedoch ab: „Das hatte verschiedene Gründe. Vor allem lag es daran, dass ich nur Stellen im Norden der Republik bekommen hätte.“ Aufgewachsen in Bielefeld, träumt Michael Klippert schon früh von einem Leben im Süden Deutschlands. „Mich reizte die Gegend, die Landschaft, das bessere Wetter. Als sich die Chance auftat dort zu arbeiten, habe ich diese genutzt.“

Als Pilot fängt er 1993 zunächst bei einem Kleinunternehmen in Baden-Württemberg an, das Geschäftsreise- und VIP-Flüge anbietet. „Ich habe verschiedene Prominente geflogen, ich erinnere mich zum Beispiel an Dieter Thomas Heck. Und an Guns N’ Roses, die ich mal zu einem Konzert von Stuttgart nach Karlsruhe fliegen durfte. Die Arbeit ähnelte jedoch der eines Taxifahrers und Kofferträgers. Sie hat mich weder zufriedengestellt noch sonderlich gefordert.“

Das neue Ziel vor Augen

Erneut steht Michael Klippert vor der Frage, wie er seine Zukunft gestalten kann. Die Antwort liegt direkt vor seinen Augen, neben dem Landeplatz seines Unternehmens am Flugplatz Baden/Oos, wo sich damals noch die Werft der DRF Luftrettung befindet. „Ich habe mir immer wieder vorgestellt, wie es wäre, für die DRF Luftrettung als Pilot zu arbeiten. Die Tatsache, etwas Sinnvolles mit meiner Arbeit tun zu können, gefiel mir sehr. Genau das hatte mir in meiner bisherigen Arbeit gefehlt. Ich versuchte also mein Glück und schickte eine Initiativbewerbung.“

Mit Erfolg: Vor 20 Jahren, im Januar 1994, fängt der damals 29-Jährige bei der DRF Luftrettung an. Seit 1996 fliegt er in Leonberg. „Mir hat es von Anfang an gut gefallen an der Station in Leonberg. Das Einsatzgebiet ist vielfältig, die Kollegen sind super, die Zusammenarbeit im Team funktioniert reibungslos.“ In seinen ersten Wochen erlebt er sogleich ein echtes Highlight: Im Sommer 1996 erhält die Station Leonberg einen der weltweit ersten beiden Hubschrauber des Typs EC 135. „Ich mag das filigrane und komfortable Fliegen, und das ist mit der EC 135 sehr gut möglich.“

Eine große Herausforderung

Im Jahr 2011 wird Michael Klippert Stationsleiter der DRF Luftrettung in Leonberg, er ist seither auch zuständig für administrative und organisatorische Aufgaben. Seine bisher größte Herausforderung in dieser Funktion war der Neubau der Station im Jahr 2013. „Die Schwierigkeit bestand darin, die neue Station an den bestehenden Hangar anzubauen, ohne den Flugbetrieb während der Bauzeit in irgendeiner Weise einzuschränken. Zum Glück hat alles gut geklappt. Die neue Station ist modern ausgestattet und erleichtert uns viele Arbeitsabläufe. Da wir zu Dienstzeiten immer mehrere Tage am Stück an der Station verbringen, war auch eine Modernisierung der Ruheräume notwendig geworden.“

Neben dem Stationsdienst ist Michael Klippert innerhalb des Flugbetriebs der DRF Luftrettung als TRI (Type Rating Instructor) und TRE (Type Rating Examiner) tätig, d. h. er schult Piloten und darf Prüfungsflüge abnehmen. Die grundsätzliche Schwierigkeit beim Fliegen eines Hubschraubers sieht er im Erlernen der notwendigen Motorik: „Da man drei verschiedene Steuerorgane gleichzeitig bedienen muss, dauert es natürlich eine Weile, bis man das kann. Aber sobald man es verinnerlicht hat, ist es genauso selbstverständlich wie Auto oder Fahrrad fahren. Das ist auch wichtig, denn man muss die Augen und den Kopf frei haben, um beispielsweise die Instrumente und den Luftraum zu beobachten und Gegebenheiten bei Start und Landung mit einzubeziehen.“ Die Sicherheit während des Flugs steht für ihn im Mittelpunkt seiner Arbeit, „denn Notarzt und Rettungsassistent können sich nur dann um den Patienten kümmern, wenn sie gut bei ihm ankommen. Sobald ein Patient an Bord ist, gilt es wiederum, diesen möglichst schnell und sicher in ein geeignetes Krankenhaus zu bringen.“

Nach der Landung an einem Einsatzort bleibt der Pilot in der Regel bei seiner Maschine, damit dort nichts passiert. „Für die Menschen ist der Hubschrauber wie ein Magnet. Wenn sie ihn entdecken, kommen sie her, vor allem Kinder. Die meisten sind vernünftig, nähern sich von vorne, schießen ein, zwei Fotos und halten den Sicherheitsabstand ein.“ Michael Klippert erinnert sich aber auch an einen Einsatz, bei dem die Polizei eingreifen musste, weil Jugendliche „aus Spaß“ den Sicherheitsabstand nicht einhalten wollten und der Hubschrauber zunächst nicht starten konnte: „Immerhin hatten wir keinen Patienten zu transportieren“, erzählt der 50-Jährige. „Und zum Glück sind solche Fälle die absolute Ausnahme.“

Auf die Besonderheit seines Berufs angesprochen, beschreibt Michael Klippert das Gefühl, Menschen helfen zu können: „Das ist schon toll und motiviert ungemein! Natürlich gibt es auch immer wieder Momente, die einen emotional aufwühlen. Aber die meisten Einsätze sind Routine, nach einem Einsatz konzentriere ich mich immer sofort auf den nächsten. Das Schöne und Entscheidende an unserer Arbeit ist, dass wir die Situation von Menschen verbessern können – für die Patienten, aber auch für die Angehörigen.“

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