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Pilot | Portrait

Willi Pfitzinger

Jeder im Team trägt dazu bei, dass ein Einsatz zum Erfolg wird. Ich sehe das als Teamleistung.

Irgendwo bei Heidelberg, über dem Odenwald, war es soweit. Willi Pfitzinger, Pilot der DRF Luftrettung in Nürnberg, erlebt in diesem Moment einen Meilenstein seiner Fliegerkarriere: seine 10.000. Flugstunde. Wenn man bedenkt, dass manchmal wenige Flugminuten bereits ein Leben retten können, weil der Notarzt schnellstmöglich zum Patienten gebracht werden kann, wird einem bewusst, was diese Zahl bedeutet. 

Ende März, auf einem Flug von den Neckar-Odenwald-Kliniken zum Universitätsklinikum Heidelberg: Die Besatzung von Christoph Nürnberg hatte soeben eine Patientin aufgenommen, um sie zu einer dringenden Operation zu transportieren. Vier Minuten nach dem Abheben erreichte Willi Pfitzinger die 10.000. Flugstunde am Steuer eines Hubschraubers. Für ihn ein besonderes Gefühl: „Für gewöhnlich zähle ich die Flugstunden nicht, aber kürzlich fiel mir auf, dass ich bald diese Schallmauer durchbreche. Dann habe ich diesem Moment natürlich schon entgegengefiebert. In der Luft wusste ich so genau, als der Augenblick gekommen war.“

Kindheitswunsch Pilot

Ein Blick zurück: Bereits im Alter von sechs Jahren war für Willi Pfitzinger klar, dass er Pilot werden wollte.  Sein Onkel, der diesen Berufsweg ebenfalls eingeschlagen hatte, war eine zusätzliche Motivation. Mit 19 Jahren ging Pfitzinger zur Bundeswehr. Nach den obligatorischen Tests und Gesprächen mit den Fliegerpsychologen begann er seine Ausbildung zum Hubschrauberpiloten. Schon während seiner Zeit beim Bund streckte er seine Fühler aus und überlegt, wo er später gebraucht werden könnte. 2000 folgt der Schritt zu den Luftrettern. Ob München, Berlin oder Regensburg – an verschiedensten Standorten stellt er sein Können in den Dienst der Luftrettung, um Menschenleben zu retten. Seit vielen Jahren ist der erfahrene Pilot nun in Nürnberg stationiert. Für den 57-Jährigen gibt es nichts Schöneres, als seine Passion für die Fliegerei mit einer guten Sache zu verbinden. Auch heute noch, nach über 36 Jahren am Steuer, steigt er mit großem Engagement ins Cockpit, erst recht seit die Nürnberger Station mit dem modernen Hubschraubertyp H 145 ausgestattet ist. „Wenn wir fast drei Stunden am Stück einen Patienten schnell und schonend zu einer lebenswichtigen Operation in die geeignete Klinik fliegen können, und das in einem Hubschrauber, der optimal auf unsere Bedürfnisse ausgerichtet ist, dann ist das schon beeindruckend.“

Freude am Fliegen

Ob eine Landung nachts im Gebirge oder der Flug über das Lichtermeer einer Großstadt wie Berlin – es ist das Fliegen an sich, das den erfahrenen Piloten auch nach Jahrzehnten im Cockpit immer wieder fasziniert. Willi Pfitzinger ist sowohl tags als auch nachts im Einsatz. Vor allem nachts ist das Fliegen anspruchsvoll. Manche Einsätze bleiben ihm dabei auch nach Jahren bildhaft in Erinnerung, insbesondere menschliche Begegnungen. „Es sind vor allem die emotionalen Momente, an die ich mich erinnere. Z. B. sind ECMO-Transporte von Kleinkindern für mich persönlich besonders emotional, da meine eigene Tochter vor über 22 Jahren auch darauf angewiesen war. Zu dieser Zeit gab es solche Intensivtransporte jedoch noch nicht, daher freut es mich zu sehen, was heute alles möglich ist und welchen Beitrag wir dabei leisten können.“

„Being ahead of the aircraft“

Was ein Pilot mitbringen muss, erklärt Pfitzinger so: „Neben fliegerischem Können und Know-how gehören Druck- und Stressresistenz ebenso dazu wie körperliche Fitness. Wir sind stets auf Abruf und gerade bei längeren Patiententransporten oft stundenlang unterwegs. Was zudem einen guten Piloten auszeichnet sind seine antizipatorischen Fähigkeiten: Schon im Vorfeld zu wissen, was kommt oder kommen kann, wie der Hubschrauber reagieren wird, z. B. bei plötzlichen Windänderungen. Wir sagen dazu ‚Being ahead of the aircraft‘.“

Auch wenn der Pilot die Verantwortung in der Luft trägt: „Jeder im Team trägt dazu bei, dass ein Einsatz zum Erfolg wird. Ich sehe das als Teamleistung.“ Über 10.000 Flugstunden zeugen von der jahrzehntelangen Erfahrung Willi Pfitzingers und es werden noch einige dazukommen. Ebenso wie zu den bisher angesammelten 27.000 Landungen, die gerade unter Hubschrauberpiloten große Aufmerksamkeit genießen. Der Grund: Bei Notfalleinsätzen wissen die Hubschrauberpiloten oft nicht, was sie am Einsatzort erwartet. Jeder Landeort, ob Tag oder Nacht, muss zunächst erkundet werden, ehe der Hubschrauber sicher landen kann. Das verlangt jedes Mal höchste Aufmerksamkeit. Und man darf dabei nicht vergessen: Es geht um Menschenleben und das oft im Wettlauf gegen die Zeit.

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