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Andi Langenhan

Es ist unheimlich beruhigend zu wissen, dass im Ernstfall Profis zur Hilfe kommen werden. Obwohl ich hoffe, diese Hilfe niemals in Anspruch nehmen zu müssen.

Zwei Männer im Wettlauf gegen die Zeit

Die große Anspannung weicht plötzlich einer tiefen inneren Ruhe. Jetzt zählt nur noch dieser eine Moment. Vollkommen fokussiert sitzt Andi Langenhan in Startposition am Beginn des Eiskanals hoch oben über Pyeongchang. „Piiiiiep!“ Zwei kräftige Armschwünge, der Rennschlitten gleitet vor und zurück, mit dem dritten Schwung lösen sich die Hände von den Startbügeln. So schnell wie möglich legt sich Andi Langenhan flach auf den Schlitten. Jetzt gilt es. Volle Konzentration. Der Lenkdruck muss vor der ersten Kurve perfekt sitzen. Schon über 80 km/h. Kein Platz für andere Gedanken.

Ein eindringliches „Piep, piep, piep“ durchfährt die Stille am östlichen Ende von Suhl. Für Marco Cramme ist in diesem Moment klar: Es geht wieder los. Helm auf den Kopf. Raus in die Kälte. Turbinen anlassen. Ein Mensch benötigt so schnell wie möglich die Hilfe der Luftretter. Jetzt gilt es. Die Zusammenarbeit mit Notarzt und Notfallsanitäter. Die Abstimmung mit der Leitstelle. Die Kontrolle über den rot-weißen Hubschrauber. Bei 250 km/h muss jeder Handgriff sitzen. Auch der Pilot der DRF Luftrettung hat in diesem Moment keine Zeit für andere Gedanken.

Zwei außergewöhnliche Berufe, zwei beeindruckende Menschen. Und sie verbindet mehr, als man auf den ersten Blick meinen könnte.

„Das harte Eis verzeiht keinen Fehler“

Als Andi Langenhan vor 32 Jahren in Suhl geboren wurde, konnte noch niemand ahnen, dass aus ihm einer der besten Rennrodler seiner Zeit werden sollte. Zehn Jahre später, als er zum ersten Mal einen Eiskanal hinunter raste, startete in Suhl erstmals ein Rettungshubschrauber der DRF Luftrettung. Ab diesem Zeitpunkt begegnete der aufstrebende Rennrodler immer wieder den rot-weißen Hubschraubern: Über seinem Geburtsort, über der Rodelbahn in Oberhof und auch bei den ersten großen Wettkämpfen. „Leider bleiben bei unserer Highspeedsportart mit Geschwindigkeiten bis zu 150 Stundenkilometern schwere Stürze nicht aus“, erzählt der Spitzensportler. „Hier kam schon so manches Mal die schnelle Hilfe für schwerverletzte Sportler mit dem Rettungshubschrauber.“ Dass das harte Eis keinen Fehler verzeiht, musste auch Andi Langenhan früh erfahren. Zu seinen ersten Trainingseinheiten zählte das sichere, verletzungsfreie Stürzen. „Doch leider geht es trotzdem nicht immer glimpflich aus“, erzählt der Rennrodler.

2010 in Vancouver, Andi Langenhan hatte es geschafft: Zum ersten Mal in seinem Leben durfte er an den Olympischen Winterspielen teilnehmen. Im Abschlusstraining startete direkt vor ihm der georgische Rennrodler Nodar Kumaritaschwili. „Er lenkte nicht optimal in eine Kurve hinein. Plötzlich schleuderte es ihn samt Schlitten aus der Bahn hinaus und er knallte mit voller Wucht gegen einen Pfosten“, berichtet Andi Langenhan von dem schrecklichen Sturz. Für den georgischen Kollegen kam jede Hilfe zu spät. Ein schwerer Schock für alle Rennrodler.

Angetrieben vom Siegeswillen

Bei den Olympischen Spielen in Vancouver erreichte Andi Langenhan schließlich den fünften und vier Jahre später in Sotschi den vierten Platz. Doch der tragische Unfall hat bei Andi Langenhan Spuren hinterlassen. „Wir wissen, worauf wir uns in diesem Sport einlassen: Es ist eine Rennsportart ohne Bremsen. Lange Zeit machte für mich genau das auch den Reiz aus.“ Doch heute treibt Andi Langenhan beim Rennrodeln etwas anderes an: der Siegeswillen. „Ich will einmal mehr der schnellste Mann auf dem Eis sein“, so der Nationalsportler. Und mit diesem Siegeswillen rast er jetzt mit 120 Stundenkilometern die Rennrodelbahn in Pyeongchang hinunter. Denn jede Hundertstelsekunde zählt.

Auch Marco Cramme will der Schnellste sein: der schnellste Notarztzubringer. Für den erfahrenen Piloten zählt jede Minute, die er den Notarzt und den Notfallsanitäter früher an die Unfallstelle bringt. Und auch Marco Cramme hofft auf einen Sieg: den Sieg des Lebens über den Tod. Als Pilot trägt er große Verantwortung. Damit jeder Handgriff zur Routine wurde, hat Marco Cramme zahlreiche Flugstunden und Fortbildungen absolviert. Und auch der morgendliche Check der Maschine und des Wetterberichts tragen dazu bei, dass im entscheidenden Moment alles rund läuft.

Diese Routine beeindruckte Andi Langenhan, als der Pilot ihm bei einem Besuch den rot-weißen Hubschrauber zeigte. „Während Marco mir unzählige Details erklärte, wurde mir klar: Bei der DRF Luftrettung stehen permanent top ausgebildete Piloten auf Abruf bereit, um im Notfall sofort zu helfen.“ Andi Langenhan weiß, wie wichtig eine hohe Fachkenntnis ist, denn der Rennrodler profitiert in jeder Kurve des Eiskanals von seiner Expertise und seiner Routine. Am Vorabend vor jedem Rennen kontrolliert er seinen Schlitten in aller Gründlichkeit, stellt ihn richtig ein und poliert ihn auf Hochglanz. Mit Schleifpapier bearbeitet er ein letztes Mal die Kufen. Am Wettkampftag steht er schon früh an der Bahn, prüft gewissenhaft die Eishärte und die Wetterentwicklungen. „Ähnlich wie bei den Hubschraubern der DRF Luftrettung, hängen Start und Verlauf mit dem Wetter zusammen: Auf jede Wetteränderung müssen wir mit dem Material reagieren“, erklärt der Rennrodler.

„Nicht jeder ist für diesen Job geschaffen!“

Beide Männer, Andi Langenhan genauso wie Marco Cramme, steuern eine Maschine, deren Handhabung den meisten Menschen völlig fremd ist. Und beide tragen voller Stolz ihre ‚Dienstkleidung‘. Weil sie zeigt, zu welchen Leistungen sie im Stande sind. „Unser beider Ziel ist es, maximal schnell zu sein mit der höchstmöglichen Sicherheit“, sagen Marco Cramme und Andi Langenhan. Dem Piloten der DRF Luftrettung gelingt es heute einmal mehr, die Besatzung schnellstmöglich zu dem verletzten Patienten und diesen nach der medizinischen Versorgung sofort in eine Spezialklinik zu fliegen.

Zieleinfahrt der Rennrodelbahn in Pyeongchang: Andi Langenhan reißt seinen Arm in die Luft. Auf der Anzeigetafel steht eine neue Bestzeit, er liegt vorne in der Tabelle. Schneller ist nach ihm nur noch der Italiener Dominik Fischnaller, Andi Langenhan landet auf dem Silberrang. „Mit diesem Ergebnis bin ich sehr zufrieden“, erzählt er nach dem Rennen. „Die Rennroute so optimal zu treffen ist wie ein Sechser im Lotto!“

Sein großes Ziel liegt jedoch noch vor ihm: in Topform 2018 bei den olympischen Winterspielen starten und in Pyeongchang wieder um die Medaillenplätze mitkämpfen. Für dieses Ziel setzt sich der Spitzensportler mit aller Kraft ein. „Außergewöhnliches Engagement bringen auch die Besatzungen der DRF Luftrettung“, betont Andi Langenhan. Ihm ist es wichtig, darauf aufmerksam zu machen. „Es gibt so viele Menschen – Piloten, Notärzte, Notfallsanitäter – die sogar ihre Wochenenden opfern, um in Ausnahmesituationen für uns da zu sein.“ Ganz besonders schätzt Andi Langenhan, der als Polizist bei der Sportfördergruppe der Thüringer Landespolizei auch Notfalleinsätze miterlebt hat, die permanente Bereitschaft der Hubschrauberbesatzungen: „Im Notfall, wenn es um Leben oder Tod geht, maximal schnell für Jedermann da zu sein – vor dieser täglichen Leistung habe ich großen Respekt. Nicht jeder ist für diesen Job geschaffen!“