Eigenhändiges Testament: Formfehler vermeiden

Immer wieder machen Formfehler den letzten Willen von Verstorbenen juristisch ungültig. Dann greift die gesetzlich geregelte Erbfolge, nach der nur Ehegatten und Blutsverwandte erben. Eine Ausnahme bilden Adoptivkinder, die gegenüber leiblichen Kindern gleichberechtigt sind. Sind keine verwandten Angehörigen vorhanden, erbt der Staat. Wer dies verhindern möchte, sollte einige Tipps beherzigen.

Es gibt zwei Varianten eines Testaments: das eigenhändige (bzw. privatschriftliche) Testament sowie das notarielle (bzw. öffentliche) Testament. Beim öffentlichen Testament sind Formfehler nahezu ausgeschlossen, da sich der Erblasser an einen Notar wendet. Die Gebühren für ein öffentliches Testament bemessen sich nach der Höhe des Vermögens zum Zeitpunkt der Testamentserrichtung (Näheres siehe hier).

Allerdings ersetzt ein notarielles Testament den kostenpflichtigen Erbschein, der im Todesfall beim Nachlassgericht beantragt werden muss. Wer sich die Gebühren für ein notariell aufgesetztes Testament sparen möchte, erstellt ein eigenhändiges Testament. Dann fallen die Kosten für den Erbschein, die sich aus der Höhe des Erbes bemessen, für die Erben an.

Damit Sie in Sachen Vermögensnachfolge alles richtig machen, haben wir einige Tipps zusammengestellt: 

  • Der Testamentsersteller muss mindestens 18 Jahre und im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte sein (testierfähig).
  • Das Testament muss von Anfang bis Ende handschriftlich verfasst und mit Vor- und Nachnamen unterschrieben werden. So werden Zweifel über die Person, die das Testament verfasst hat, vermieden. Juristisch unwirksam sind mit dem Computer oder der Schreibmaschine gefertigte Schriftstücke. Auch ein letzter Wille, der auf Band gesprochen wurde, ist nicht rechtskräftig.
  • Die Erben müssen im Testament eindeutig identifizierbar sein. Geben Sie daher Vor- und Nachnamen sowie das Geburtsdatum an.  
  • Ort und Datum sind ein essentieller Bestandteil eines Testaments.
  • Stellen Sie sicher, dass das Testament im Todesfall leicht auffindbar ist, sodass es dem Nachlassgericht überreicht werden kann. Wer möchte, kann seinen letzten Willen gegen eine Gebühr, die sich nach dem Vermögenswert richtet, beim Amtsgericht hinterlegen. Bei einem Vermögen von beispielsweise 50.000 Euro beläuft sich die Gebühr auf 33 Euro.
  • Eheleute oder Partner in einer eingetragenen Lebensgemeinschaft haben die Möglichkeit, ein gemeinschaftliches Testament anzulegen. In diesem Fall verfasst einer von beiden den gemeinsamen letzten Willen handschriftlich. Dann unterschreiben beide mit dem vollen Namen, Ort und Datum.

Bei einem öffentlichen Testament, erhält der Erblasser steuerrechtliche Hinweise vom Notar. Auch in dieser Hinsicht sind Sie auf sich gestellt, wenn sie Ihren letzten Willen eigenhändig verfassen. Wer möchte, dass seine Erben möglichst wenig Erbschaftssteuer bezahlen, sollte Folgendes beachten:

  • Eine Möglichkeit Erbschaftssteuer einzusparen, bieten Schenkungen, die zu Lebzeiten getätigt werden.
  • Die Erbschaftssteuer lässt sich komplett umgehen, wenn eine gemeinnützige Organisation als Erbe eingesetzt wird. Denn gemeinnützige Organisationen wie die DRF Luftrettung sind von der Erbschaftssteuer befreit.
  • Häufig setzen sich Eheleute im gemeinschaftlichen Testament gegenseitig als Alleinerben ein (sogenanntes Berliner Testament). Stirbt ein Ehepartner, fällt dem verbleibenden der komplette erbschaftsteuerpflichtige Nachlass zu. Die Kinder erben erst, wenn beide Eltern verstorben sind. Der Freibetrag für das Erbe an Kinder beträgt 400.000 Euro pro Kind. Für jeden Euro, der diesen Betrag übersteigt, muss Erbschaftsteuer entrichtet werden.

Weiterführende Informationen finden Sie auch auf den Internetseiten des Bundesjustizministeriums. Dort wird kostenlos die Broschüre „Erben und Vererben – Informationen und Erklärungen zum Erbrecht“ zur Verfügung gestellt.