Die DRF Luftrettung weitet den Testbetrieb eines neuartigen Verfahrens zur frühzeitigen Erkennung von Hirnblutungen aus: Nach der Erprobung an den Stationen Stuttgart und Karlsruhe der DRF Luftrettung werden nun auch die Stationen Niebüll und Rendsburg in die wissenschaftliche Studie einbezogen. Ziel ist es, weitere Erkenntnisse unter realen Einsatzbedingungen zu gewinnen und den potenziellen Nutzen für die Notfallmedizin zu bewerten.
Seit kurzem sind die Rettungshubschrauber der DRF Luftrettung in Niebüll und Rendsburg mit einem Messgerät zum Erkennen von Hirnblutungen ausgestattet. Das innovative Verfahren, das von einem Forscherteam um Professor Dr. Christian Förch, Ärztlicher Direktor der Klinik für Neurologie im RKH Klinikum Ludwigsburg, mitentwickelt wurde, basiert auf einem Protein-Bluttest. Im Fokus steht der Nachweis des sogenannten sauren Gliafaserproteins (GFAP), das bei einer Hirnblutung frühzeitig aus geschädigten Hirnzellen freigesetzt wird und innerhalb weniger Minuten im Blut messbar ist. Eingesetzt wurde das Test-Kit erstmals im Jahr 2024 in Stuttgart und Karlsruhe, nun erfolgte die Ausweitung auf die Stationen Niebüll und Rendsburg. Das Projekt wird von der DRF Stiftung gefördert.
Für die Besatzungen der DRF Luftrettung ergibt sich daraus perspektivisch ein zusätzlicher Baustein in der präklinischen Diagnostik: Wird ein Rettungshubschrauber zu einem bewusstlosen Patienten alarmiert, müssen Notarzt und Notfallsanitäter schnell entscheiden, welche Maßnahmen eingeleitet und welche Zielklinik angeflogen werden soll. Von einem Gefäßverschluss über einen epileptischen Anfall bis hin zu einer lebensbedrohlichen Hirnblutung: Bislang konnte erst eine Computertomographie-Aufnahme im Krankenhaus Aufschluss über die tatsächlichen Ursachen geben.
Bei seinem Besuch der Station Rendsburg informierte sich auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther kürzlich über dieses Verfahren: „Die DRF Luftrettung geht mit der Erprobung des neuen Bluttests einen wichtigen Schritt voran. Ich freue mich sehr, dass das Verfahren nun auch in Rendsburg und Niebüll erprobt wird. Es hilft den Einsatzkräften vor Ort, schnellere und sichere Entscheidungen für die Patientinnen und Patienten zu treffen“, sagte der Ministerpräsident. Die Erprobung in Schleswig-Holstein sei deshalb ein wichtiger Schritt für die Notfallrettung des Landes.
„Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht immer der Patient – daran orientiert sich auch das neue Verfahren. Mithilfe des Bluttests könnten wir in der Zukunft erste Maßnahmen zur Behandlung vor Ort einleiten und vor allem die Zielklinik passgenauer auswählen und die Betroffenen direkt von der Einsatzstelle dorthin bringen“, erläutert Dr. Florian Reifferscheid, Leiter Medical Operations der DRF Luftrettung. „Mit der Ausweitung der Studie auf unsere beiden Stationen in Schleswig-Holstein schaffen wir die Grundlage, den Nutzen des Bluttests wissenschaftlich zu bewerten, die Datengrundlage der Studie auf eine breitere Basis zu stellen und die Versorgung schwer erkrankter Menschen weiter zu verbessern.“ Die DRF Luftrettung unterstreicht damit ihren Anspruch, neue medizinische Verfahren nicht nur frühzeitig aufzugreifen, sondern diese auch wissenschaftlich fundiert in die Praxis zu überführen – mit dem klaren Ziel, die Versorgung von Patientinnen und Patienten weiter zu verbessern.