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Pia trifft ihre Lebensretter - eine bewegende Patientengeschichte

Im Juni 2020 erleidet Pia Bruckmeier bei einem Frontalzusammenstoß innere Verletzungen und wird von der Crew von Christoph 80 ins Klinikum Amberg geflogen. Bis heute hat sie mit den gesundheitlichen, aber vor allem auch psychischen Folgen zu kämpfen. Fast ein Jahr nach dem Verkehrsunfall besucht sie „ihre“ Luftretter an der Station Weiden. Ein Besuch vor Ort, der ein Dankesagen und Heilungsschritt zugleich ist.
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Frau mit Pilot und Notfallsanitäter im Hubschrauber
Pia Bruckmeier und „ihre“ zwei Retter: Pilot Martin Anz (rechts) und Notfallsanitäter Thomas Schmitt. Im Juni 2020 war als Christoph 80 noch ein Hubschrauber des Typs EC135 unterwegs, seit April 2021 startet die Crew mit einer hochmodernen H145. (Quelle: DRF Luftrettung)

Zittrige Hände und Tränen in den Augen: Der erste Blick auf Christoph 80 löst bei Pia Bruckmeier bei ihrem Besuch der Station Weiden Anfang Mai 2021 gemischte
Gefühle aus. „Das war schon alles etwas viel auf einmal. Den Hubschrauber so nah zu sehen, war zu Beginn sehr überwältigend“, lässt die 23-Jährige die Minuten ihrer
Ankunft Revue passieren. „Zum Glück haben mich mein Partner und meine Mutter begleitet. Wir wurden dann von lauter netten Menschen begrüßt und ich konnte meine Aufregung und Nervosität in den Griff bekommen.“ Für Pia Bruckmeier ist es nicht die erste Begegnung mit dem Weidener Rettungshubschrauber: Im Juni 2020 erleidet sie bei einem Verkehrsunfall innere Verletzungen und wird von der Crew ins Klinikum nach Amberg geflogen. An der Luftrettungsstation trifft sie fast ein Jahr nach dem Unfall zwei „ihrer“ Luftretter wieder, um Danke zu sagen. Eine Begegnung, die Pia hoffentlich dabei hilft, die Erlebnisse zu verarbeiten.

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Pilot mit Menschen vor einem Hubschrauber
Pilot Martin Anz stellt Pia Bruckmeier, ihrem Partner Michael Altenthan und ihrer Mutter Claudia Bruckmeier die technischen Merkmale der H145 vor. (Quelle: DRF Luftrettung)

Schwerer Unfall auf dem Weg zur Abschlussprüfung

Auch für Notfallsanitäter Thomas Schmitt ist die Begegnung etwas Besonderes. Für ihn ist es erst das zweite Mal innerhalb von 15 Jahren im Rettungsdienst, dass sich ein*e Patient*in nach einem Einsatz bei ihm persönlich bedankt. „Wir bekommen im Nachgang zwar häufiger mit, wie es unseren Patienten geht, oder fragen zum Teil auch selbst in den Krankenhäusern oder Kliniken nach. Wir erwarten aber auch kein Dankeschön, wir machen eben unsere Arbeit“, sagt Thomas Schmitt. So sind die Informationen über den weiteren Behandlungsverlauf für ihn auch eine Möglichkeit, seine Arbeit zu reflektieren und wenn möglich zu verbessern. Gab es vielleicht bestimmte Anzeichen, die es anders zu deuten gilt, oder Abläufe, die in einem ähnlich gelagerten Fall optimiert werden könnten? „Aber schön ist so ein Dankeschön natürlich trotzdem. Ich meine, wer hat positives Feedback nicht gerne?“, fügt der Notfallsanitäter schmunzelnd hinzu.

Der gebürtige Oberpfälzer erinnert sich noch genau an den damaligen Einsatz: „Das ist eigentlich nicht unser Einsatzgebiet, aber die Kollegen aus Nürnberg von Christoph 27 waren anderweitig unterwegs, daher hat die Leitstelle uns alarmiert.“ Gemeinsam mit Pilot Martin Anz und Notarzt Dominik Dworzak macht er sich nach der Alarmierung auf den Weg Richtung Deining. Wenige Kilometer außerhalb der Stadt kollidierte Pia Bruckmeier unverschuldet auf einer Landstraße frontal mit einem entgegenkommenden Pkw, der wie sie selbst rund 80 km/h schnell fuhr. „Ich war auf dem Weg zur Abschlussprüfung meiner Ausbildung, also auch etwas aufgeregt“, erinnert sie sich an den Unfalltag. Am Beginn einer Linkskurve fällt ihr dann ein entgegenkommender Pkw aus der Ferne aufgrund des Fahrverhaltens auf. In der Kurve kommt der Fahrer immer weiter auf ihre Spur. „Ich habe wirklich bis zur letzten Sekunde geglaubt, der zieht gleich sein Steuer noch rum und das geht gut aus“, fasst Pia Bruckmeier ihre letzten Gedanken vor dem Aufprall zusammen. Nach dem Zusammenstoß ist sie weiter bei Bewusstsein und kann sich an fast alle Details des Unfalls und das weitere Geschehen erinnern. „Das ist schon sehr ungewöhnlich. Die meisten Patientinnen oder Patienten haben oftmals an den gesamten Unfalltag keine Erinnerungen mehr“, so Notarzt Dominik Dworzak.

Anders als erhofft: der erste Hubschrauberflug

Als das Team vor Ort landet, wird Pia Bruckmeier bereits von bodengebundenen Rettungskräften versorgt und befindet sich im Rettungswagen. Notarzt Dominik Dworzak steigt in den Wagen mit ein und wird vom notärztlichen Kollegen des Notarzteinsatzfahrzeuges über alle bisherigen Erkenntnisse informiert. Schnell ist klar: Pia Bruckmeier sieht zwar äußerlich fast völlig unversehrt aus, aber Schmerzen im Bauchraum und das völlig deformierte Unfallauto lassen auf innere Verletzungen schließen. „Für uns wird sie damit umgangssprachlich zu einer tickenden Zeitbombe“, erläutert Dominik Dworzak, der als Facharzt für Anästhesie, Intensiv-, Notfall- und Palliativmedizin hauptberuflich in der Klinik Nordoberpfalz arbeitet. „Da wir am Unfallort nicht in unsere Patientinnen und Patienten hineinsehen können, muss es
in so einem Fall dann schnell gehen. Daher haben wir Pia zügig auf die Hubschraubertrage umgelagert und sind in Richtung Klinikum St. Marien in Amberg gestartet.“

Für Pia startet damit der allererste Hubschrauberflug ihres Lebens. „Leider unter nicht so tollen Bedingungen, wie man sich das immer vorstellt“, erzählt die gebürtige Oberpfälzerin. „Ich stand natürlich unter dem Einfluss sehr starker Schmerzmittel und habe noch die ganze Zeit darüber nachgedacht, dass wir jetzt hoffentlich nicht abstürzen.“ Nach rund zwölf Minuten setzt Pilot Martin Anz den Hubschrauber bereits routiniert auf dem Dachlandeplatz der Klinik auf. Die medizinische Crew lädt die Patientin zügig aus dem Hubschrauber. Pia Bruckmeier erinnert sich noch genau an den Moment, denn Notfallsanitäter Thomas Schmitt hat sie dabei mit den Worten „Herzlich willkommen am Flughafen Amberg“ begrüßt, nachdem er während des Flugs in seiner Funktion als HEMS TC vorne beim Piloten saß. „Das war einer von vielen kleinen Momenten, die mir Vertrauen und Sicherheit vermittelt haben. Durch die Ruhe, die alle um mich herum ausgestrahlt haben, und auch die kleinen Scherze zwischendurch habe ich mich gut aufgehoben und in sicheren Händen gefühlt“, weiß Pia im Nachgang gerade die kleinen Gesten zu schätzen. Vom Dachlandeplatz ging es dann weiter in den Schockraum, in dem die Übergabe von Notarzt Dominik Dworzak an die Kolleg*innen des Klinikums stattfindet. Damit ist der Einsatz für die Weidener Luftretter beendet und sie fliegen an die Station am Flugplatz Weiden zurück.

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Notfallsanitäter erklärt Besucherin das Innere eines Hubschraubers
Pia Bruckmeier ließ sich bei ihrem Besuch der Station Weiden die Innenausstattung des Hubschraubers von Notfallsanitäter Thomas Schmitt genau erklären. (Quelle: DRF Luftrettung)
Auch Pia ist Teil von #TeamEineMillionPlus. Die 23-Jährige aus der Oberpfalz war unverschuldet in einen schlimmen Autounfall auf der Landstraße verwickelt. (Quelle: DRF Luftrettung)

Rettung geglückt, Genesung in Arbeit

Allerdings ist für Pia noch lange nicht alles vorbei. Erst am Abend des Folgetags ist die Ursache für ihre starken Schmerzen im Bauchraum gefunden: ein 1,5 Zentimeter langer Riss im Dünndarm. Bei einer Notoperation am späten Abend wird der Riss entfernt und geschlossen sowie der gesamte Bauchraum aufgrund einer Bachfellentzündung von den ausgetretenen Flüssigkeiten gesäubert. „Die Ärzte sprachen immer von einer dramatischen Darm-OP. Der Verlauf danach war zum Glück sehr gut. Die Schmerzen wurden endlich besser und ich konnte nach wenigen Tagen die Intensivstation und letztendlich nach insgesamt zehn Tagen das Klinikum verlassen“, berichtet Pia Bruckmeier. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus ging es nach mehreren Wochen daheim in eine dreiwöchige Reha nach Murnau. Heute sind die körperlichen Beschwerden und Folgen fast alle Vergangenheit. Die innerlichen Verwachsungen und dadurch gewisse Lebensmittel bereiten ihr noch Probleme, weshalb sie bis heute auf Schmerzmittel und Physiotherapie angewiesen ist. Auch Kontrollbesuche bei ihrem behandelnden Arzt stehen aufgrund eines innerlichen Narbenbruchs regelmäßig an. Psychisch hat die junge Frau allerdings mehr mit dem Unfall zu kämpfen und befindet sich in therapeutischer Behandlung. Noch immer fährt sie längere Strecken nicht allein mit dem Auto, die Unfallstelle hat sie nach wie vor nicht aufgesucht. Auch bei schnell entgegenkommenden Autos zuckt sie teilweise zusammen, und wenn sie einen Hubschrauber sieht, ruft das direkt alles wieder ins Gedächtnis. „Wir hoffen natürlich, dass Pia der Besuch bei uns hier in Weiden bei der Verarbeitung hilft. Vielleicht kann sie so mit dem Hubschrauber auch positive Erinnerungen verbinden“, drückt Pilot Martin Anz die Daumen für die weitere Genesung. „Ihr erster Gedanke sollte nicht sein ‚Oje, da ist bestimmt etwas Schlimmes passiert‘, sondern eher die Zuversicht, dass Hilfe unterwegs ist.“ Ihre Abschlussprüfung konnte Pia im Januar 2021 erfolgreich nachholen. Auch wenn sie weiterhin viel zu verarbeiten hat, hat der Unfall auch positive Auswirkungen: „Ich wertschätze und genieße jeden Moment meines Lebens viel mehr. Daher bin ich einfach froh, dass die Crew da war und Zeit für mich hatte, als ich sie gebraucht habe, und mir die Chance auf ein zweites Leben ermöglicht hat.“

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Geschenkkorb auf einem Tisch
Für die Weidener Crew gab es noch ein Dankeschön von Pia Bruckmeier: einige Leckereien und auch eine Spende für die Stationskasse. Außerdem ist sie dem DRF e.V. als Förderin beigetreten und unterstützt somit die gesamte Organisation. (Quelle: DRF Luftrettung)
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Frau mit Patch im Hubschrauber
Die Jeansjacke, die Pia Bruckmeier am Unfalltag trug, hat sie wieder zusammengenäht. Die Crew ließ es sich natürlich nicht nehmen und hat ihr als Andenken den Patch von Christoph 80 zum Aufnähen geschenkt. (Quelle: DRF Luftrettung)
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Frontalzusammenstoß zweier Autos
Wenige Kilometer außerhalb der Stadt kollidierte Pia Bruckmeier unverschuldet auf einer Landstraße frontal mit einem entgegenkommenden Pkw, der wie sie selbst rund 80 km/h schnell fuhr. (Quelle: Vanessa Meißner)

Autorin: Maren Wittmann - Pressereferentin

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