Station Mannheim feiert 40-jähriges Bestehen
Unverzichtbar für die schnelle Notfallhilfe in der Metropolregion Rhein-Neckar: Christoph 53 in Mannheim (Foto: Adrian Zurborg, Quelle: DRF Luftrettung)
Vor 40 Jahren, am 1. Juli 1986, nahm die DRF Luftrettung am City Aiport Mannheim den Rettungshubschrauber Christoph 53 in Betrieb. Heute ist die Station ein unverzichtbarer Bestandteil der notfallmedizinischen Versorgung in der Metropolregion Rhein-Neckar. Die hochmoderne H145 mit Fünfblattrotor wird nach dem Dual-Use-Prinzip sowohl für Notfalleinsätze als auch für dringende und hochkomplexe Intensivtransporte zwischen Kliniken eingesetzt. Die Mannheimer Besatzungen verfügen über besondere Expertise in der Versorgung von Kindernotfällen sowie in erweiterten invasiven Notfalltechniken.
Ursprünglich wurde Christoph 53 als Intensivtransporthubschrauber hauptsächlich für den schnellen und schonenden Transport von Patienten zwischen Kliniken eingesetzt. Seit mehr als 20 Jahren ist der Mannheimer Hubschrauber in Ergänzung zum bodengebundenen Rettungsdienst auch für Notfalleinsätze alarmierbar. Möglich wurde das durch eine Anordnung des Ministeriums für Arbeit und Soziales des Landes Baden-Württemberg im Jahr 2005, mit der die Aufgaben der Intensivtransporthubschrauber im Land erweitert wurden. Seither wird Christoph 53 auch als schneller Notarztzubringer zur Erstversorgung und zum Transport verletzter oder akut erkrankter Patienten in eine geeignete Klinik eingesetzt, wenn der Hubschrauber den Notfallort als erstes notarztbesetzes Rettungsmittel erreicht.
„Ich freue mich sehr, dass wir den Menschen in der Region seit 40 Jahren verlässlich Luftrettung auf höchstem Niveau bieten können“, unterstreicht Andreas Kempf, Stationsleiter und Pilot an der Station in Mannheim. „Unser Team hat in den vergangenen vier Jahrzehnten immer wieder wichtige Impulse in der Weiterentwicklung der Luftrettung setzen können, vor allem im Bereich der Erprobung bisher nicht angewandter innovativer Verfahren der notfallmedizinischen Diagnostik und Versorgung direkt am Einsatzort. Unser Dank gilt allen Einsatzpartnern in der Region für die vertrauensvolle Zusammenarbeit, denn schnelle und bestmögliche Notfallrettung ist immer Teamarbeit.“
Herausragende notfallmedizinische Expertise
Die Station Mannheim übernimmt seit vielen Jahren eine Vorreiterrolle bei der Entwicklung und Erprobung innovativer medizinischer Verfahren für die präklinische Notfallversorgung. Ein Beispiel ist die Etablierung der sogenannten Point-of-Care-Diagnostik. Mithilfe moderner Verfahren wie mobiler Sonografie, Blutgasanalyse und spezieller Bluttests kann die Besatzung bereits am Einsatzort innerhalb weniger Minuten Diagnosen stellen. So lassen sich lebensrettende Therapien und Maßnahmen frühzeitig einleiten und die für die weitere Behandlung am besten geeignete Klinik auswählen.
Als erstes Luftrettungsteam in Deutschland wurde die Crew von Christoph 53 im Jahr 2019 vollständig in der Anwendung erweiterter invasiver Notfalltechniken ausgebildet. Aufgrund dieser Expertise können beispielsweise Patienten mit schwersten Thoraxverletzungen mit dem Verfahren der Clamshell-Thorakotomie behandelt werden. Damit können Patienten mit hohem Blutverlust schon vor dem Transport in die Klinik stabilisiert werden.
Seit November 2024 testet die Mannheimer Crew im Rahmen einer Studie das sogenannte REBOA-Verfahren (Resuscitative Endovascular Balloon Occlusion of the Aorta). Es wird angewendet, um lebensbedrohliche innere Blutungen zu kontrollieren oder bei Wiederbelebungen die Durchblutung von Herz und Gehirn zu verbessern. Nach der Station Halle ist Mannheim die zweite Station in Deutschland, an dem dieses innovative Verfahren eingesetzt wird.
Ebenfalls seit 2024 nutzen die Mannheimer Luftretter zudem die Nahinfrarot-Spektroskopie (NIRS). Das nicht-invasive Überwachungsverfahren misst den Sauerstoffgehalt im Gewebe und ermöglicht es, eine kritische Unterversorgung frühzeitig zu erkennen. Die Therapie kann dadurch unmittelbar angepasst und die Sauerstoffversorgung lebenswichtiger Organe optimiert werden.
Eine weitere Besonderheit der Station Mannheim ist die präklinische Anwendung von Blutprodukten. Bereits seit 2019 führt der Mannheimer Hubschrauber Blut- und Plasmaprodukte an Bord mit, um Patienten mit massivem Blutverlust noch am Einsatzort versorgen zu können. Diese Kompetenz ergänzt den Einsatz moderner Verfahren wie REBOA oder die Notfall-Thorakotomie optimal.
Darüber hinaus verfügt das Mannheimer Team über besondere Erfahrung in der Versorgung von Säuglingen und Kindern sowie bei Kinderintensivtransporten. Die medizinische Crew ist speziell geschult in Maßnahmen, die bei den kleinen Patienten eingesetzt werden sowie in der Erstversorgung von Neugeborenen. Es arbeitet eng mit Herzzentren im Bereich ECMO-Therapie und neonatologischen Intensivstationen zusammen.
Seit diesem Jahr kommt zur Diagnostik von Schädelverletzungen oder Schlaganfällen die sogenannte Pupillometrie zum Einsatz. Hierbei kann die Pupille im Auge mittels eines Gerätes millimetergenau vermessen werden, die Reaktion durch einen Lichtreiz kontrolliert werden. Dies kann wertvolle Hinweise auf eine Schädigung im Gehirn geben, die so früher als bisher therapiert werden können.
Im Laufe des Jahres wird auf dem Christoph 53 das HeliCAT-Projekt (Helicopter Cardiac Arrest Team) beginnen. Ziel des Projekts ist es, die Therapie des Herz-Kreislauf-Stillstands weiter zu optimieren und individuell auf den Patienten anzupassen. Hierbei kommen neben dem bereits beschriebenen NIRS-Verfahren eine invasive Blutdruckmessung mittels eines arteriellen Messkatheters sowie eine Ultraschalluntersuchung über die Speiseröhre (trans-ösophageale Echokardiographie) zum Einsatz.
Regelmäßige gemeinsame Trainings und Fallbesprechungen sichern den hohen Qualitätsstandard der Versorgung und entwickeln zukünftige Strategien weiter.
Im Rahmen eines öffentlichen Vergabeverfahrens hat die DRF Luftrettung 2025 den Zuschlag für den Betrieb der Luftrettungsstation für weitere 15 Jahre in Mannheim erhalten. Mit Beginn des neuen Beauftragungszeitraums am 1. November 2026 werden die Besatzungen unter dem neuen Funk-rufnamen „Christoph Mannheim“ und in den Herbst- und Wintermonaten durch eine Erweiterung der Einsatzbereitschaftszeit länger verfügbar sein als bisher.
Über die Station Mannheim
Die am 1. Juli 1986 gegründete Station befindet sich am Mannheimer Flughafen.
Über die DRF Luftrettung
Die Luftrettung mit Sitz in Filderstadt ist eine der größten Luftrettungsorganisationen Europas.
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