15.07.2021 |
Neues von den Stationen

Drei Jahrzehnte im Dienst der DRF Luftrettung: Zwei Jubilare in Göttingen

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Zwei Männer stehen vor einem rot-weißen Hubschrauber.
Jörg Stöber und Arno Wickmann sind seit 30 Jahren als Notfallsanitäter an Bord von „Christoph 44“ in Göttingen tätig. (Quelle: DRF Luftrettung)

Jörg Stöber und Arno Wickmann feiern in dieser Woche ihr jeweils 30-jähriges Jubiläum als Notfallsanitäter auf „Christoph 44“. Beide sind bei der Berufsfeuerwehr in Göttingen angestellt und in der Feuerwehr-Ausbildung sowie im Rettungsdienst tätig. Über so genannte Gestellungsverträge gehören sie damit zur Besatzung des Göttinger Rettungshubschraubers. Wir haben die Gelegenheit genutzt, um den beiden zu gratulieren und über die vergangenen 30 Jahre an Bord eines rot-weißen Hubschraubers zu sprechen.

Herr Stöber, Herr Wickmann, drei Jahrzehnte Menschen. Leben. Retten. – das ist eine beachtliche Zeit. Erinnern Sie sich doch einmal an die Anfänge: Was hat Sie dazu bewogen, bei der Feuerwehr und im Rettungsdienst tätig zu werden?

Jörg Stöber: 1985 entschied ich mich für eine Laufbahn bei der Berufsfeuerwehr. Ich wusste, dass diese auch zu einem großen Teil im Rettungsdienst aktiv war. Das Interesse am Menschen hat mich zu diesem Schritt bewogen – ich wollte mit Menschen zusammenarbeiten und Gutes tun. Dabei habe ich früh mein Herz für die Notfallmedizin entdeckt.

Arno Wickmann: Bei mir war es ein bisschen anders. Ich kam quasi „Last Minute“ zur Berufsfeuerwehr, habe im letzten Moment meine Bewerbung abgegeben. Der Hintergrund im Rettungsdienst war mir zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt. 

Seit wann sind Sie als Notfallsanitäter bei der DRF Luftrettung an der Station in Göttingen tätig? Und wie kam es dazu?

Jörg Stöber: Die Faszination Hubschrauber war bei mir von Anfang an da. Als ein Wechsel im Team anstand, wurde ich gefragt, ob ich Interesse habe, an der Station in Göttingen zu arbeiten. Da habe ich natürlich nicht gezögert. Am 15. Juli 1991 hatte ich dann den ersten Dienst auf „Christoph 44“. Ich war damals der erste Berufsfeuerwehrmann auf dem Göttinger Rettungshubschrauber. Die Arbeit barg für mich ein gewisses Novum: Innerhalb von wenigen Minuten am Ort des Geschehens zu sein, bedeutete auch, dass die Zeit zur Vorbereitung auf den Notfall erheblich geringer war als im Rettungswagen. Ich war sehr aufgeregt, wusste aber auch, dass ich im Team nicht allein bin. 

Das Team zählt: Jede Entscheidung trifft man gemeinsam.
Jörg Stöber, Notfallsanitäter bei der DRF Luftrettung
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Historische Aufnahme von Pilot und Notfallsanitäter in einer BO 105.
Jörg Stöber (links) mit dem Piloten Jürgen Richter im Cockpit einer BO 105. (Quelle: DRF Luftrettung)

Arno Wickmann: Ich habe meinen Dienst einen Tag nach Jörg Stöber begonnen, am 16. Juli 1991. Bei mir war es ein Telefonat mit dem damaligem Rettungsdienstleiter, das mich an meinen heutigen Arbeitsplatz gebracht hat. Als der Anruf kam, war ich gerade auf einer Fortbildung zum Oberbrandmeister in Celle. Zwei Stunden blieben mir, um eine Entscheidung zu fällen. Diese Zeit habe ich aber gar nicht gebraucht: Ich musste nicht überlegen, sondern habe direkt Ja gesagt.

Was zeichnet die Arbeit an Bord eines Rettungshubschraubers aus?

Arno Wickmann: Man weiß nie, was kommt, muss sich immer auf Neues einlassen und kann nie sagen: „Ich habe schon alles gesehen.“ Auch das ständige Aus-, Weiter- und Fortbilden ist elementar. Und natürlich Teamwork: Einer für alle, alle für einen. Erst der Pilot für uns, dann wir für den Patienten. Wir sind halt „wir“. Der Teamwork-Gedanke steht. Auch in Zusammenarbeit mit dem Notarzt oder der Notärztin: Häufig ist man mit dieser oder diesem allein am Einsatzort und muss Ad-hoc-Entscheidungen treffen. Da muss man sich auf den jeweils anderen verlassen können.

Hinzu kommt unser Transportmittel, der Hubschrauber. Wir können nicht immer direkt am Einsatzort landen, müssen dann erst einen Weg dorthin finden, meist zu Fuß mit der Ausrüstung. Die Temperaturen im Sommer im Hubschrauber verlangen körperlich ebenfalls einiges ab – das ist eben anders als im Einsatzfahrzeug. Aber auch hier ist die Veränderung spürbar: In der BO 105 war es eng und „kuschelig“, im Vergleich zu einer modernen H145, in der man doch sehr viel Platz hat.
 

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Historische Aufnahme einer BO 105 der DRF Luftrettung.
„Klein und wendig“: Die BO 105, mit der Jörg Stöber und Arno Wickmann in den 1990er Jahren zu ihren Einsätzen flogen. (Quelle: DRF Luftrettung)
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Ein Hubschrauber des Typs BO 105 steht auf einem Rapsfeld. Ein Mann sitzt in der Türöffnung.
Geflogen wurde vor 30 Jahren mit Karte und Kompass. Dabei lag die Karte stets auf dem Schoß. (Quelle: DRF Luftrettung)

Welche Momente und Ereignisse haben Sie besonders geprägt?

Jörg Stöber: Da gibt es einige. Einen einzelnen herauszuheben, ist nicht möglich. Im Einsatzgeschehen sind es Situationen, in denen man besonders gefordert ist. Wenn es um das „bisschen mehr“ geht, weil die Umstände besonders sind. Und natürlich die, in denen man in prekären Situationen helfen konnte oder eben jene, wo man einfach hilflos war. Auch hier zählt das Team: Jede Entscheidung trifft man gemeinsam. Das freundschaftliche und im Einsatz grundsätzlich verlässliche Miteinander, das hier gepflegt wird, prägen meine Arbeit.

Arno Wickmann: In anspruchsvollen Situationen sehe ich nur, was ich sehen muss. Ich muss bei schlimmen Einsätzen nicht alle Eindrücke aufnehmen. Ich spreche auch viel mit Kollegen, die mein Vertrauen haben. Außerdem liegt mir die Prävention am Herzen: Neue Kolleginnen und Kollegen langsam ranführen, insbesondere die Jüngeren. 
 

Die Station Göttingen ist wie eine kleine Familie.
Arno Wickmann, Notfallsanitäter bei der DRF Luftrettung
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Historische Aufnahme von Pilot und Notfallsanitäter in einer BO 105.
Teamwork: Arno Wickmann im Dienst gemeinsam mit Pilot Harald Stitz. (Quelle: DRF Luftrettung)

Was gibt es speziell über die Station Göttingen zu sagen, dass Sie fasziniert und für Sie zu etwas Besonderem macht?

Arno Wickmann: Für mich lauten die Schlagworte „Teamwork“ und „Gemeinsamkeit“ – wir sind schon eine kleine Familie, die von 0 auf hundert nur Sekunden braucht.

Jörg Stöber: Wir können zusammen lachen und Spaß haben, können aber auch von einem Moment auf den anderen absolut professionell miteinander umgehen. Das ist besonders. Das macht für mich die Station Göttingen aus.

30 Jahre auf „Christoph 44“ – kurz zusammengefasst: Wie lautet Ihr Resümee?

Jörg Stöber: Ich habe das Glück gehabt, in diesen 30 Jahren tolle Menschen kennenlernen zu dürfen. Ich habe das Glück gehabt, ein extrem erfülltes Berufsleben zu haben und jede Menge Eindrücke und Erfahrungen mitnehmen zu können: Hier ist ja jede Menge passiert in 30 Jahren.

Arno Wickmann: In Göttingen geht es um den Patienten. Egal wo, wie und was: Wir versuchen das Beste für jede und jeden rauszuholen 
 

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Crew vor dem Helikopter der Station Göttingen der DRF Luftrettung
„Christoph 44“

Station Göttingen

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